Alles im türkisen Bereich

Alles im türkisen Bereich

Auf der Adriainsel Lošinj zeigt die Jadranka Group ein Konzept für die Zukunft des kroatischen Tourismus

Ein Duft von Kräutern liegt über Lošinj, türkisblaues Wasser glitzert, mediterrane Architektur schmiegt sich an die Küsten. Der Tourismus hat hier lange Tradition. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts warb man mit Heilklima um die Gunst des Wiener Adels. Mit Erfolg. Noch heute steht die Villa Carolina, die Franz Joseph I. für seine Sissi errichtete, an der pittoresken Čikat-Bucht.

Foto: Günter Standl (www.guenterstandl.de)
Foto: Günter Standl (www.guenterstandl.de)

Touristisches Ökosystem

Auf der Insel wird von der Jadranka Group ein kleines touristisches Ökosystem betrieben. Vom Luxushotel Alhambra, mit etwas Habsburger Glanz, über moderne Familienhotels, die auch im Mid-Scale-Bereich die Lifestyle-Ansprüche einer jüngeren Zielgruppe erfüllen, bis hin zu modernen Campingplätzen, kann auf der Insel jede Klientel bedient werden.

Ein Alternative gibt es nicht

Es gibt in der kroatischen Wirtschaft faktisch keine Alternative zum Tourismus. Man hatte lange mit den Folgen des Krieges zu kämpfen, seit 2015 erreichen die Zahlen aber wieder das Niveau der 80er Jahre. Das Rückgrat der kroatischen Wirtschaft bleiben die über 600 Hotels. Darunter immer noch kleine Privathotels, aber auch große Gruppen und internationale Konzerne.

Um einen zukunftsfähigen Ansatz für den Wirtschaftsfaktor „Tourismus“ zu finden, ließ die kroatische Regierung 2017 die „Entwicklungsstrategie für den Tourismus bis 2020“ erarbeiten. Ziel: Qualität statt Masse. Mehr Luxushotels, mehr Ankerplätze für Yachten, mehr Angebote für Wellness-, und Golftouristen. Sieben Milliarden Euro wurden bereitgestellt, ein Drittel davon für den Hotel- und Badesektor.

Gutes Beispiel für Privatisierung, Wandel und Nachhaltigkeit

Die Jadranka Group gilt als positives Beispiel der gelungenen Privatisierung und zeigt auf Lošinj wie verantwortlicher Tourismus aussehen könnte, der Devisen ins Land bringt, ohne dafür den Preis des Overtourism zu zahlen. Von der Einbetonierung ganzer Küstenstreifen, ist Lošinj verschont geblieben. Schon früh hat man hier auf Modernisierung und Serviceexzellenz gesetzt.

Mit einem Jahresumsatz von über 60 Millionen Euro zählt die Gruppe zu den Marktführern in Kroatien. Nicht nur Hotels werden betrieben, sondern auch Restaurants, Supermärkte, Zuliefererbetriebe und ein eigener Radiosender. Diese breitgefächerte Struktur ist schlau.

Sie dient dem Procurement, aber auch der Nutzung von Synergien. Auf Lošinj können diverse Markt-Segmente gleichzeitig bedient werden. Alle koexistieren, profitieren aber von geschickter Vernetzung. Ein Beispiel: Die Campingplätze kooperieren mit den Wellness-Anlagen der Hotels – sogar bis in den Fünf-Sterne-Bereich. So sichert man sich auch Gesundheitsgäste mit niedrigerem Reisebudget.

Auf Lošinj hat die Gruppe, das Potenzial der Insel bestens genutzt: Das erste renovierte Hotel war das Vier-Sterne-Hotel Aurora, 2009 folgte das Family Hotel Vespera, 2012 das völlig erneuerte Vitality Hotel Punta. Danach wurde das Premium-Segment der Luxury Collection ausgebaut: Das Hotel Bellevue ist das erste Fünf-Sterne-Hotel der Insel.

Das Boutique Hotel Alhambra ist Mitglied der Small Luxury Hotels of the World. Seit 2009 hat die Jadranka Group insgesamt 177 Millionen Euro in den Wiederaufbau und die Entwicklung investiert. Weitere 200 Million Euro sollen in neue Schlüsselprojekte fließen.

Neue Führung an der Spitze

Man will Lošinj bei den Top-Destinationen weit oben positionieren. Dafür hat man sich die Verstärkung von Peter Schoch als CEO gesichert. Das lässt keinen Zweifel daran, in welche Richtung es gehen soll. Ich durfte viele Hotels mit ihm gemeinsam eröffnen – die Ritz Carltons Jamaica und Naples, Florida, um einige zu nennen.

Was er hier in den nächsten Jahren schaffen wird, dürfte bemerkenswert sein. Schon jetzt hat er mit den beiden Fünf-Sterne-Hotels ein Ausrufezeichen gesetzt. Vision und Mission stimmen, wie ich vor Ort selbst erleben konnte. Jeder Mitarbeiter folgt seinem Verständnis von Großzügigkeit und Gastgeberkultur.

Gelungenes Gesamtkonzept

Foto: Hotel Bellevue
Foto: Hotel Bellevue

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass der Spagat zwischen klassischem Luxusverständnis und lockerer Urlaubsatmosphäre kein leichter ist. In der Spitzen-Hotellerie geht es um feine Nuancen. Während im Alhambra klassischer Luxus den Ton angibt, versucht man im Bellevue mit Club-Feeling ein jüngeres Publikum abzuholen.

Dazu kommt aufwendig restaurierten Belle-Epoque Villa Hortensia mit zehn Schlafzimmern, privatem Fitness-Studio, Pool und eigenem Koch. Mit Preisen ab 11.000 Euro pro Nacht befinden wird uns hier endgültig im Premium-Segment.

Der Service, gefällt mir im Bellevue besser als im Alhambra. Das Wort „Nein“ scheint im Wortschatz der Mitarbeitenden nicht zu existieren. Jeder Wunsch wird unkompliziert gelöst. Nie gibt es umständliches Nachfragen oder lange Rechtfertigung warum etwas nicht geht. Sondern immer charmante Selbstverständlichkeit, die sich auf Lösungen im Sinne des Gastes fokussiert.

Neben einem breiten Freizeit- und Wellnessangebot, dass an Land kaum Wünsche offenlässt, lockt das kristallklare Wasser der Čikat Bucht. Ein Boat-Trip wird so nicht nur zu einem Highlight meines Aufenthalts, mir wird hier auch klar, wie wichtig es ist, dass das Prinzip von Exklusivität und kontrolliertem Tourismus beibehalten wird.

Mit dem Segelboot geht es raus in die Bucht. Hier entfaltet sich die Kulisse in ihrer ganzen Pracht. Luxus reduziert auf das Wesentliche, auf das einzigartige Erlebnis.

Umstellung in Corona Zeiten

Um allen Gästen einen sicheren Aufenthalt zu bieten, wurde die Messlatte für Hygiene deutlich höher gelegt. Zu den Maßnahmen im Kampf gegen eine Virus-Ausbreitung gehört die begrenzte Anzahl von Gästen, die vorübergehende Schließung von Saunen, Desinfektionsmittel für die Gäste sowie Schutzausrüstung und tägliche Gesundheitschecks für die Mitarbeiter. Auf Campingplätzen sind hohe Hygienestandards ohnehin ein Muss – man aber auch hier den Desinfektionsturnus angehoben und alle Empfehlungen der WHO erfüllt.

In der Gastronomie ist noch Luft nach oben

Der Gast kann aus insgesamt 11 Restaurants auf dem Ressort-Areal auswählen und im Rahmen eines Dine-around-Arrangements unterschiedliche regionale Gerichte kennenlernen. Das was in den legereren Restaurants auf den auf den Tisch kommt, gefällt mir gut: traditionelle Inselkost wie Lamm aus Cres oder tagesfrischer Fisch. Auch der Service stimmt: Herzlich, kompetent, fachkundig. Sonderwünsche sind kein Problem, alles hat Charme und Leichtigkeit.

Die Küche versucht sich aber auch an gehobener Cuisine. Hier eine kreative Sterne-Gastronomie zu etablieren, wäre ein nötiger Ansatz, der bisher fehlt. Das Gourmet-Restaurant Keller ist für mich enttäuschend. 13 Punkte im Gault Millau sind eher als guter Ausgangspunkt zu verstehen. Denn ohne namenhaften Küchenchefs, wird man Gourmet-Touristen nicht anlocken können.

Fazit

Bei einem Aufenthalt auf Lošinj geht es darum, unter der Sonne des Mittelmeers zu entspannen. In den Kleinigkeiten ist man auf einem guten Weg, hier und da fehlt aber noch ein Quäntchen an Aufmerksamkeit: Glas- statt Plastikflaschen oder ein Fruchtspieß am Pool. Auf genau diese Details legen anspruchsvolle Gäste Wert. Wenn es Peter Schoch gelingt, hier noch weiter an den Stellschrauben zu drehen, muss man sich – zumindest was Lošinj angeht – um den kroatischen Tourismus keine Sorgen machen: Alles im türkisen Bereich.


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