Travel Grand https://www.travelgrand.ch Mon, 21 Nov 2022 09:59:02 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.0.2 https://www.travelgrand.ch/wp-content/uploads/cropped-favicon-32x32.png Travel Grand https://www.travelgrand.ch 32 32 Morgens Massage, abends Messi: Ein Luxusresort in Dubai wird zum Paradies für reiche WM-Fans https://www.travelgrand.ch/blog/8783-mandarin-oriental-dubai/ Mon, 21 Nov 2022 09:46:25 +0000 https://www.travelgrand.ch/?p=8783

85 Shuttleflüge pro Tag: Wer es sich leisten kann, träumt in Dubai vom WM-Titel. Das Emirat zählt zu den größten Profiteuren des Mega-Events. Unser Hoteltester war da.

Nahe Downtown Dubai - Das Mandarin Oriental Jumeirah hat direkten Zugang zu Strand und Meer. (Foto: Mandarin Oriental)

Ich bin in Dubai. Mein Hotelziel diesmal: das Mandarin Oriental Jumeira. Ankunft im International Airport nachts um eins. Alles perfekt organisiert und blitzeblank sauber. Keine Menschenansammlungen, keine Warteschlangen, keine Hektik. Überall freundliche Gepäck-Guides. Eine andere Welt schon kurz nach der Landung.

Auch von Hotelseite ist alles exzellent vorbereitet. Mein Fahrer wartet mit Schild, Luxuslimousine und perfektem Englisch. Dazu: angenehme 26 Grad mitten in der Nacht. Der Fahrer reicht mir ein kaltes feuchtes Tuch, leicht in Zitrone getränkt. Angenehmer kann man kaum ankommen.

Dubai boomt wie nie zuvor. Und Dubai wird clever gemanagt. Zur Fußballweltmeisterschaft zum Beispiel hängt sich die Wüstenmetropole an den Boom in Katar an und bietet Lösungen für mögliche Hotel- und Flugengpässe im Land der Kataris.

Jeden Tag gibt es 85 zusätzliche Shuttleflüge (45 Minuten one way) zwischen Dubai und Doha. Indirekt vielleicht größter Profiteur der Weltmeisterschaft ist also Dubai – zwei Drittel der WM-Besucher sind hier untergebracht und pendeln.

Am Strand von Jumeirah: Das Mandarin Oriental Jumeira

Im wahrsten Sinne erstklassig präsentiert sich ein namhafter Neuzugang in Dubais Hotellandschaft: Seit 2019 liegt direkt am Strand von Jumeirah das Mandarin Oriental Jumeira. Das Luxushotel ist nicht weit entfernt von Downtown Dubai, dem City Walk und dem Dubai Creek, hat direkten Zugang zu Strand und Meer. Das Design der 178 Zimmer und 78 Suiten stammt von Jeff Wilkes, der für seine ausgefallenen Interieurs bekannt ist.

In meinem Sea-View-Zimmer genieße ich den großzügigen Balkon und den herrlichen Meerblick. Neben der Lage machen vor allem die riesige Poolanlage mit intimen Daybeds und die abwechslungsreichen Restaurants das Mandarin Oriental zu einem aktuellen Topspot in Dubais Hotelszene.

Sea-View-Suite - Das Wohnzimmer ist geräumig, der Blick aufs Meer garantiert. (Foto: Mandarin Oriental)

Ich lunche im Netsu, dem japanischen Restaurant. Der Manager kommt mir strahlend entgegen: Kevin Lipson kenne ich nicht, wohl aber sein Management. Er ist der Sohn einer großartigen, japanischen Kellnerin aus Miami Beach. Tonys Sushi ist der Insiderplace an Floridas Küste. Als ich dort lebte, war dies quasi meine Kantine. Das Netsu bietet perfektes japanisches Essen und einen Traumblick aufs Meer.

Dann mache ich mich auf in die Spa-Welt. Die Mutter aller luxuriösen Spas, das ist allgemein bekannt, ist das Mandarin Oriental in Bangkok. Was nicht heißt, dass alle Mandarin Orientals automatisch exzellente Spas betreiben. Hier in Dubai schon: Das Spa ist von der Großzügigkeit, den Materialien und der Ausstattung her einzigartig. Jede Spa-Suite bietet einen großartigen Meerblick. Dazu hohe Decken und überall Marmor.

Zwei Dinge fallen mir auf, die hier anders sind als anderswo: Nichts läuft gehetzt ab. Keiner sagt dir, wann, wo und bei wem du zu sein hast. Der Gast äußert, wann er gern kommen möchte. Die Antwort ist immer: sehr gern. Und: Niemand wird mir zugeteilt. Ich darf entscheiden, auch kurzfristig, von wem ich behandelt werden möchte. Bei „meiner“ balinesischen Masseurin fühle ich mich tatsächlich wie auf Bali.

Am nächsten Morgen steht ein Helikopterflug an. Ich habe den Zwölf-Minuten-Trip gebucht. Das reicht völlig, um einen Überblick zu bekommen und ist preislich in Ordnung. Ich fliege über die vor allem aus der Luft beeindruckende künstliche Inselwelt vor der Küste Dubais. Hier wohnt die Geldelite der Welt. Wahrer Luxus: der eigene private Strand.

Neben der bisherigen Palm, einer künstlichen Insel in Form einer Palme: die neue Dubai-Palm in Aufschüttung. Noch größer, noch beeindruckender. Und glaubt man den Gerüchten: Bereits alles ist verkauft – zu Mondpreisen. Wir umfliegen das Hotel im Bau, das derzeit in aller Munde ist: The Royal Atlantis Resort auf Palm Jumeirah.

Eröffnung 2023 - Das architektonisch sehr ungewöhnliche Royal Atlantis soll ein Resort der Superlative werden – ob der Hype gerechtfertigt ist, wird sich zeigen. (Foto: Carsten K. Rath)

Das berühmte Hotel Atlantis The Palm Dubai bekommt damit eine Schwester. Die Eröffnung ist für Anfang 2023 geplant. Ich bin gespannt: Das architektonisch sehr ungewöhnliche Royal Atlantis verspricht ein Resort der Superlative zu werden. Ob der Hype gerechtfertigt ist, werde ich beizeiten in Augenschein nehmen.

Dubai setzt auf Qualitätstourismus

Toleranz und Liberalität werden allgemein angemahnt, aber ich muss fairerweise sagen: Hier wird hospitalitymäßig eine Menge richtig gemacht. Die Pandemie: massiv eingedämmt, die Impfquote: sehr hoch, die Planungsintervalle: wesentlich kürzer als in Deutschland. All das hat dem Tourismus gutgetan.

Für die ersten Monate dieses Jahres kamen mehr als sieben Millionen Übernachtungsgäste, ein Plus von 180 Prozent gegenüber 2021. Bei der Auslastungsquote der etwa 800 Hotels in Dubai werden deutsche Hoteliers neidisch: sagenhafte 74 Prozent, und das so kurz nach der Coronakrise.

Infinity Pool - Vom Daybed ins unendliche Wasser. (Foto: Mandarin Oriental)

Abends freue ich mich auf das Dinner im Tasca (portugiesisch für Taverne), das jüngst mit einem Michelin-Stern (seit 2022 gibt es eine eigene Dubai-Ausgabe) ausgezeichnete Hotel-Restaurant des Portugiesen José Avillez. Ich merke schnell: Die Speisekarte des Tasca bietet ausschließlich portugiesische Aromen mit einem modernen Twist und strotzt bei aller Schlichtheit in der Anrichte vor Charakter und Geschmack.

Avillez, der in Portugal lebt, erzählt mir leidenschaftlich von seinem Hauptziel: die portugiesische Gastronomie zu fördern und beizutragen, Portugal zu einem gastronomischen Topziel zu machen.

Kurz vor der Abreise mit der Hotellimousine Richtung Flughafen lese ich: In Dubai, der Metropole, in der es eigentlich nichts gibt, was es nicht gibt, findet sich tatsächlich ein eigenes Ministerium für Glück und Wohlergehen – mit einer sogenannten Glücksagenda.

Dubais Skyline - In der Mitte mit dem Burj Khalifa das höchste Gebäude der Welt. (Foto: Mandarin Oriental)

Ich denke an die Stille, die Weite und das Licht vor allem während meiner Tour durch die Wüste, auch eine unbedingte Empfehlung, und bin dankbar: Meine persönliche Glücksagenda ist erst einmal randvoll aufgefüllt von diesen Dubai-Tagen im 1001-Nacht-Modus und den magischen Stunden voller Schönheit mitten in der Wüste.

Raths Reiserating:

1.Ausdrückliche Reisewarnung
2.Besser als unter der Brücke
3.SO LALA, NICHT OH, LÀ, LÀ
4.Meckern auf hohem Niveau
5.Wenn’s nur immer so wäre
6.Ganz großes Kino

Insidertipps Bangkok

Joggingstrecke: Tolle Aussichten plus grandiose Sonnenuntergänge bietet die elf Kilometer lange Laufstrecke auf der künstlichen Insel Palm Jumeirah, inklusive Umrundung der Spitze der Palmeninsel. Alternativ: eine Vierkilometerstrecke entlang des Palmenstamms.

Museum of the Future: die neueste spektakuläre Attraktion in einem grandiosen futuristischen Gebäude

Crossroad of Civilizations Museum: interkulturelles Museum mit der ersten Dauer-Holocaust-Ausstellung („We remember“) auf der arabischen Halbinsel

Burj Khalifa: Weltweit höchstes Gebäude (828 Meter) und Restaurant der Welt. Spektakulär: die höchste Aussichtsplattform der Welt im 148. Stock. Tipp gegen langes Warten: Tickets vorab online reservieren. Kurios: Wer mal dringend einen Goldbarren benötigt, hier steht tatsächlich ein Gold-to go-Automat.

Dubai Fountains: Die größten Wasserfontänen der Welt. Eine Wasser- und Light-Show in der Größe von zwei Fußballfeldern, jeden Abend ab 18 Uhr, alle 30 Minuten, mit über 1000 Fontänen, mehr als 6600 Lichtquellen und arabischer Musik.

Wüstensafari: Wer einmal eine Nacht in der Wüste verbracht hat, vergisst deren Schönheit nie mehr.

Mandarin Oriental Jumeira, Dubai - Lobby Daylight (Foto: Mandarin Oriental)

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Unterwegs in der Millionenmetropole Bangkok und im weltbesten Wellness-Retreat, dem asiatischen Pendant zum Lanserhof https://www.travelgrand.ch/blog/8749-capella-bangkok-chiva-som-hua-hin/ Mon, 14 Nov 2022 16:24:13 +0000 https://www.travelgrand.ch/?p=8749
Capella Bangkok - Das Haus wurde 2020 eröffnet – auf dem Höhepunkt der Coronapandemie. (Foto: Capella Hotels)

Ich bin in Bangkok. Gläserne Wolkenkratzer sowie jahrhundertealte Tempel prägen die Kulisse. Mein Hotel der nächsten Tage ist das Capella Bangkok am Ostufer des Chao Phraya. Später besuche ich das Chiva-Som in Hua Hin, rund drei Autostunden von der Metropole entfernt.

Das Capella Bangkok ist eines der weltweit wenigen Luxushotels der kleinen feinen Capella Hotels and Resorts Group, die CEO Nicholas Clayton zur Weltspitze brachte. Capella ist übrigens der sechsthellste Stern am Nachthimmel. Hier in Bangkok strahlt das Hotel seit Ende 2020, eröffnet auf dem Höhepunkt der Coronapandemie. Eines der besten Hotels Europas, der Breidenbacher Hof in Düsseldorf, gehörte bis vor Kurzem auch zu dem sechsten Stern.

Capella Bangkok: Kokon der Ruhe

Kaum habe ich eingecheckt, umgibt mich mitten in der geschäftigen Stadt Bangkok ein Kokon der Ruhe. Der allgegenwärtige Blick auf den majestätischen Fluss Chao Phraya fasziniert mich vom ersten Augenblick an. Ich erlebe erstklassigen und vor allem warmherzigen Service. Von der Concierge-Crew, die die Gäste am Eingang begrüßt, bis hin zum Check-in-Team ist jeder hier außergewöhnlich einladend, zuvorkommend – und dazu auch noch angenehm selbstbewusst. Direktor John Blanco gibt hier den Stil vor.

Das Capella führte den Resort-Stil in einem eigentlichen City-Hotel in Bangkok ein, mit einer besonderen Form von Luxus: anspruchsvoll, elegant und doch unbekümmert. Hinzu kommt das intime und irgendwie stets gemütliche Ambiente – ich fühle mich wie in einem luxuriösen Wohnzimmer.

Ich wohne in einer der sieben privaten Villen am Flussufer, eine Besonderheit in Bangkok. Auf dem Weg fallen mir die auf Hochglanz polierten Marmorböden und die glitzernden Deckenleuchten aus Chrom und Kristall auf. Dazu an jeder Ecke Möbel mit edlen Stoffen und asiatischen Antiquitäten.

Living Room im Capella - Die Gruppe hat den Resort-Stil in einem eigentlichen City-Hotel in Bangkok eingeführt. (Foto: Capella Group)

In meiner geräumigen Riverside-Villa mit einem wohltuenden Design aus Grau- und Beigetönen begeistert mich wieder die malerische Aussicht auf den Fluss. Und mein eigener privater Garten mit Pool und Tagesbett direkt am Wasser. Das mit Travertin-Marmor ausgestattete Badezimmer ist sonnendurchflutet und fühlt sich mit der begehbaren Regendusche und großer Badewanne wie ein Mini-Spa an.

Ich sitze im rustikal-schicken Speisesaal des „Côte by Mauro Colagreco“. Der argentinische Koch aus dem mit drei Michelin-Sternen prämierten „Mirazur“ in Nizza hat seine mediterranen Aromengerichte in die thailändische Umgebung transferiert. Ich erfreue mich an seinen farbenfrohen, mit Blumen gesprenkelten Tellern mit erstklassigen Meeresfrüchten. Abends dann: authentisch romantisches Dinner am Flussufer im thailändischen Restaurant „Phra Nakhon“. Mir schmecken die lokalen Familienrezepte mit raffinierter Schärfe.

Riverside-Villa - Design aus Grau- und Beigetönen mit Aussicht auf den Fluss. (Foto: Capella Hotels)

Das Frühstück umfasst ein kleines Büfett mit hausgemachtem Gebäck, Obst und asiatischen Spezialitäten sowie ein auf Bestellung à la Minute zubereitetes Breakfast-Menü. Vor allem die Ricotta-Pfannkuchen mit gerösteten Strauchtomaten werden mir lange in Erinnerung bleiben. Genauso übrigens wie der Hightea – besser als in jedem traditionsreichen Londoner Grandhotel.

Nachts liege ich draußen im Garten, schaue auf die glitzernde Skyline von Bangkok und denke: Das Capella ist die wirklich perfekte urbane Oase, immer inspiriert von der Seele des sprühenden Bangkoker Lebens, hier am majestätischen Fluss.

Raths Reiserating:

1.Ausdrückliche Reisewarnung
2.Besser als unter der Brücke
3.SO LALA, NICHT OH, LÀ, LÀ
4.Meckern auf hohem Niveau
5.Wenn’s nur immer so wäre
6.Ganz großes Kino

Insidertipps Bangkok

Joggingstrecke: Am besten früh morgens im Lumphini Park laufen, auf einem 2,5 Kilometer langen Pfad vorbei an Seen, in denen sich die umliegenden Wolkenkratzer spiegeln.

Sehenswürdigkeit: Der größte Tempel der Welt, die riesige symmetrische Tempelanlage des Wat Phra Dhammakaya – die goldene Kuppel besteht aus 300.000 kleinen Buddha-Statuen.

Fahrradfahren: Am besten auf der Flussinsel Bang Krachao, die fast nur aus Wald und Dschungel besteht: Bangkoks „grüne Lunge“. Radeln auf gut asphaltierten, ruhigen Wegen. Ein herrliches Naturerlebnis.

Chiva-Som: Oase des Lebens in Hua Hin

Ich bin mit dem Auto unterwegs nach Hua Hin, von Bangkok in rund drei Stunden zu erreichen. Mein Ziel: das Chiva-Som, bekannt als eines der besten Gesundheits- und Wellness-Refugien der Welt. Chiva-Som stammt aus der altindischen Sprache Sanskrit und bedeutet so viel wie: Oase oder Hafen des Lebens. Seit mehr als 25 Jahren werden hier im Resort westliche Heilmethoden erfolgreich mit östlicher Philosophie kombiniert.

Einst war Chiva-Som mit seinen heute 54 Zimmern, Suiten und Pavillons und seinen zukunftsweisenden Programmen das erste asiatische Wellness-Retreat. 1993 riss der Gründer, Boonchu Rojanastien, sein Ferienhaus am Strand von Hua Hin ab, um einen Zufluchtsort zu bauen, den mehr Menschen als nur er genießen können sollten. Das erste Resort wurde offiziell im April 1995 eröffnet.

Ursprünglich als Rückzugsort am Wochenende von der Hektik der Stadt Bangkok gedacht, lud er fortan Familie und Freunde ein, die sich hier entspannten und gesundes Essen zu sich nahmen, bevor sie erholt zur Arbeit zurückkehrten. Sein Lebensmotto formulierte er sehr klar: „Vor allem genieße dein Leben.“

Auf ihn also geht die heutige Philosophie zurück: Anstrengung mit Freude zu kombinieren und gesunde, lebensverändernde Gewohnheiten anzunehmen. Seine Großzügigkeit weitete sich bald auf einen größeren Kreis von Gleichgesinnten aus. Das Chiva-Som entstand.

Pool am Meer - Das Chiva-Som ist von einem 2,8 Hektar großen tropischen Garten umgeben. (Foto: Chiva-Som)

Ich bin nach dem Transfer aus Bangkok in meinem Refugium angekommen, direkt am Meer in einem 2,8 Hektar großen tropischen Garten. Der etwa acht Kilometer lange Strand von Hua Hin, ich nehme es vorweg, ist für mich einer der schönsten Strände des thailändischen Festlands. Der Sand ist fein, weich und sehr weiß. Stundenlang kann man hier spazieren, ohne einen Menschen zu treffen.

Nun also: Ich bin bereit für meine Neubelebung von Körper, Geist und Seele. Kaum habe ich das Resort betreten, steht ein wichtiger Termin an. In ihm wird ein persönlich auf mich zugeschnittenes Programm, das meine gesunde Lebensweise fördern und meine Lebensqualität fundamental verbessern soll, abgesprochen und geplant.

Chiva-Som: Tropische Oase des Lebens

Schnell lerne ich: Das Chiva-Som setzt auch auf Digital-Detox. In den öffentlichen Bereichen sind Handys und Kameras nicht erwünscht. Mein Erlebnis beginnt mit der Auswahl meines Retreats, das durch täglich wechselnde Aktivitäten und Behandlungen in den folgenden Tagen weiter entwickelt wird. Was passt am besten zu meinen Interessen und Gewohnheiten? Es gilt, meinen ganz eigenen Weg zu persönlichen Zielen oder zur Gesundheitsoptimierungen zu finden. Ein Retreat im Chiva-Som soll im Idealfall „der Beginn einer Wellness-Reise voller Konzentration, Lernen, Leistung und Selbstfindung“ sein, erklärt mir mein Therapeut.

Mein Zimmer ist großartig, eher eine Art thailändischer Pavillon, mit Terrasse und eigenem Ruheraum, mit großen Fenstern Richtung Resort-Dschungelgarten, dessen wohltuende Ruhe und tiefe Energie ich lange nicht vergessen werde. Die gesamte Einrichtung ist warm, wertig und komplett aus natürlichen Materialien hergestellt.

Kunstvoll angerichtet - Selbst die Diät-Kost ist im Chiva-Som äußerst ansehnlich. (Foto: Chiva-Som)

Die Chiva-Som-Philosophie gilt auch – und besonders – für die Ernährung. Gesundes, nahrhaftes und gleichsam sehr leckeres Essen kennen zu lernen ist ein wichtiges Ziel. Ich nehme interessiert und offen an Schulungen zur Ernährung teil. Der Ansatz: Ich soll (und will) das Niveau des Wohlbefindens, das ich im Resort mit jeder Stunde mehr erreiche, aufrechterhalten und für mein weiteres Leben abspeichern.

Die ganzheitliche Herangehensweise und die Entscheidungsfreiheit unterscheidet dieses Resort von anderen. Nichts wird aufgezwungen. Wer abends Wein trinken möchte, bekommt selbstverständlich welchen. Wer Kaffee braucht am Morgen, kein Problem.

Indoor-Pool - Das Haus setzt auch auf Digital Detox: In den öffentlichen Bereichen sind Handys und Kameras nicht erwünscht. (Foto: Chiva-Som)

Mir gefällt das sehr. Gängeleien und Oberlehreransagen sind hier tabu. Kein klassischer Verzicht. Man setzt auf Erkenntnis, Eigenverantwortung, eine Grunddisziplin. Jeder kann, keiner muss! Auch wenn ich normalerweise nicht der Typ für umfangreiche Fitnesstests und Ernährungsberatungen bin, so ist das Energieprogramm hier zweifellos wohltuend und förderlich.

Ich nehme an einer Vielzahl von therapeutischen Treatments teil, unter anderem auch an so scheinbar exotischen Anwendungen wie Chakren-Balancing und japanischer Reiki-Therapie, die Ströme im Körper neu ausrichtet. Ich fühle, wie die sanften Berührungen und die gesamte Energie hier meine Nerven spürbar beruhigen.

Die absolute Ruhe und ansteckende Gelassenheit in den vergangenen Tagen hat auch mich runter- und zu mir kommen lassen. Erfreulicher Nebeneffekt: Meine Waage zeigt am Ende minus drei Kilo – nicht schlecht für eine knappe Woche.

Raths Reiserating:

1.Ausdrückliche Reisewarnung
2.Besser als unter der Brücke
3.SO LALA, NICHT OH, LÀ, LÀ
4.Meckern auf hohem Niveau
5.Wenn’s nur immer so wäre
6.Ganz großes (Wellness-) Kino 

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Das Emirates Palace Abu Dhabi https://www.travelgrand.ch/blog/8721-emirates-palace-abu-dhabi/ Mon, 07 Nov 2022 12:35:48 +0000 https://www.travelgrand.ch/?p=8721

Der märchenhafteste Palast des Morgenlandes ist größer als der Buckingham Palace und bietet einen Luxustrip in 1001 Nacht

Carsten K. Rath vor dem Emirates Palace (Foto: Carsten K. Rath)

Meine Reise in den Nahen Osten beginnt in der Emirates Lounge in München. Der erste Service-Check. 30 verschiedene relevante Magazine, wie Handelsblatt, Manager-Magazin, Wirtschaftswoche, zwei Champagner, dazu Weissburgunder, Riesling und ein roter Italiener zur Auswahl. Fünf verschiedene – a la minute zubereitete – Speisen: von leckeren Maultäschle bis zu Gulasch mit Spätzle. Die Dessertauswahl ist gourmetwürdig. Ich bin häufig zu Gast in den Lufthansa-Lounges: beide Fluglinien agieren im selben Bereich, beide haben ähnliche Ticketpreise. Wenn ich die Wahl habe, entscheide ich mich klar für Emirates.

Ich reise diesmal das erste Mal mit Unterstützung eines Travel-Concierge. Reisen in den Orient haben spezielle Tücken und Anforderungen, so dass Domenica von One Luxury die Reise intensivst geplant hat und mir nun von der Abreise bis zu Ankunft 24/7 zur Seite steht.

Schon beim Checkin ist ihre Hilfe wertvoll. Ich habe Übergepäck und soll erheblich aufzahlen. Eine Nachricht reicht und das Problem hat sich in Luft aufgelöst. Später im Verlauf der Reise werde ich meinen Reisepass verlieren (eigentlich ein Albtraum) – auch dieses Problem lässt Domenica verschwinden.

Mein Ziel diesmal: Abu Dhabi – auf deutsch heißt das soviel wie „Vater der Gazelle“ – die Hauptstadt der Vereinigten Emirate.

Schon im Anflug fällt mir auf: bestimmt 90% der Fläche bestehen aus Sand.

Das Emirat der Sandwüste steht – wie die gesamten Vereinigten Emirate – für unfassbaren Reichtum und monumentale Bauprojekte.

Mein Hotel ist das sagenumwobene Emirates Palace Abu Dhabi, 2006 eröffnet, 3 Milliarden (!) Euro teuer, 2000 Angestellte aus 50 Ländern – unter dem erfahrenen Generalmanager Michael Koth seit einigen Jahren ein erfolgreiches Mandarin Oriental. Michael hat die spannende Aufgabe das ehemalige Kempinski-Haus nun in neue Dimensionen zu führen.

Ich betrete die riesige, nein, die monumentale (das Wort passt hier perfekt) Empfangshalle und fühle mich augenblicklich wie ein Sultan in seinem Palast. Überall, wirklich überall: Gold. Ich erfahre später, dass mehr als 6000 Quadratmeter hier mit  22-karätigem Blattgold bedeckt sind. Selbst mein „Zimmerschlüssel“ sieht aus wie eine wertvolle Goldmünze.

Einer der prachtvollen Emirates-Pools (Foto: Carsten K. Rath)

Der prunkvolle Emirates-Palast ist eines der größten Luxus-Hotels der Welt – und eines der teuersten, das jemals gebaut wurde. Der immense Gebäudekomplex hat einen Umfang von 2,5 Kilometern – allein der mehr als imposante Torbogen am Hoteleingang stellt mit 40 Metern Höhe das Brandenburger Tor in den Schatten.

Wertvollste Stoffe allerorten (Foto: Carsten K. Rath)

Die prunkvolle Fassade und 114 Echtgold-verzierte Kuppeln funkeln in der Sonne des Orients.

Das Emirates Palace: ein Hotel wie ein Sultanspalast

Auf dem Weg zu meiner Suite fällt mir auf: überall im Haus duftet es nach Rosen (alle drei Tage werden mehr als 10.000 frisch dekoriert). Später höre ich: über 1000 Kristalllüster hängen in den Räumen. Das Interieur mit – neben Gold – Unmengen Marmor und Edelhölzern ist wahrhaft majestätisch.

Luxus wohin man schaut: das Emirates Palace (Foto: Carsten K. Rath)

Das Emirates Palace liegt eingebettet in eine ca. 100 Hektar große Gartenanlage, die unmittelbar an den 1,3 km langen, privaten Sandstrand anschließt.

Begrüßungs-Obst a la Emirates (Foto: Carsten K. Rath)

Nach dem langen Flug begebe ich mich in die Spa im Hotelgarten. Der maurische Stil gefällt mir sehr. Hier, wie überall in dem riesigen Park finde ich in den nächsten Tagen stets meine eigene kleine Ruhe-Oase unter einer der mächtigen Palmen. Die für die Größe des Hotels recht geringe Gästezimmer-Zahl macht es möglich.

Abu Dhabi: im Reich der Superlative

Abends erkunde ich das gastronomische Mega-Angebot des Emirates Palace – von traditionell arabisch ausgerichteten Restaurants bis hin zu trendiger internationaler Fusion-Küche ist alles vorhanden.

Im Martabaan kann man die indische Küche von ihrer facettenreichsten Seite kennenlernen. Ich bin begeistert über die Vielfalt und Kreativität und freue mich jetzt noch mehr auf meinen Indien-Trip in wenigen Wochen.

Besonders angetan hat es mir das Hakkasan mit seiner modernen und sehr authentischen chinesischen und asiatischen Küche, die ich aus dem Stammhaus in London am Hanway-Place kenne.

Kunstvolle farbenfrohe Hakkasan-Küche (beide Fotos: Carsten K. Rath)

Ich sitze in einer Art Holzkäfig, der mit blauem Glas illuminiert und von einem Edelstahlrahmen umgeben ist. Das aufregende Ethno-Design auf einer unglaublichen Fläche von 16.000 Quadratmetern, die inspirierenden Soundtracks und die kantonesischen Aromen werde ich vermissen.

Ethno-Küche deluxe: das Hakkasan-Restaurant (Foto: Mandarin Oriental)

Neben dem Martabaan und dem Hakkasan gibt es weitere 9 (!) Restaurants.

Die Sea-View-Suite im Emirates Palace (Foto: Mandarin Oriental)

Alle 302 Zimmer und 92 Suiten des Emirates Palace verfügen über Terrasse oder Balkon – zum Service gehört ein omnipräsenter 24-Stunden-Butlerservice.

Im Rausch des Orients: Abu Dhabi und das Emirates Palace

Meine Suite bietet spektakulären Komfort: die prachtvolle Lounge mit Kronleuchtern, überall bestickte Seidenstoffe und feinster Marmor und ein Luxus-Badezimmer mit Whirlpool-Funktion in der XXL-Marmorwanne. Von meinem Balkon habe ich einen spektakulären 180-Grad-Panoramablick auf’s Meer.

Der Garten-Eingang im Emirates Palace (Foto: Carsten K. Rath)

Was mich in diesen Tagen im Emirates wirklich beeindruckt: jedes noch so kleine Detail ist darauf abgestimmt, mir hier im Haus eine irgendwie perfekte Zeit zu bereiten – jeder Wunsch wird mir von den Lippen abgelesen.

Übrigens: bei all den Superlativen und dem besonderen Level dieses Hauses lässt sich mit cleverer Online-Recherche und außerhalb der Hauptsaison ein noch relativ günstiger Zimmerpreis finden.

Emirates Palace: goldbestäubter Cappuccino und Goldautomaten

Ich fahre in die derzeitige Hauptattraktion von Abu Dhabi, ins Louvre. Ja, genau: das Louvre Abu Dhabi – seit 2017 die erste offizielle Dependance des berühmten Pariser Museums. Die ständige Ausstellung hier umfasst mehr als 600 Kunstwerke in 23 verschiedenen Galerien. Dazu: 300 Meisterwerke, die von französischen Institutionen ausgeliehen sind. Ich bin fasziniert von dieser Orient-Louvre-Version und schlendere vorbei an Werken von Monet, Van Gogh, da Vinci und Matisse.

Der Louvre Abu Dhabi (Foto: Carsten K. Rath)

Guggenheim baut übrigens auch bereits an einem Ableger in Abu Dhabi.

Abu Dhabi ist eine schillernde märchenhafte Stadt inmitten der immer weiter aufstrebenden arabischen Welt. Dieser Ausflug in 1001 Nacht hat mich berauscht und sinnlich aufgeladen.

Vor allem das Emirates Palace ist wahrhaft imposant – und imponierend.

Wann schläft man schon mal in einem Hotel, in dem gefühlt tatsächlich alles Gold ist, was glänzt – und das selbst zu den größten Sehenswürdigkeiten des Landes gehört?

Raths Reiserating:

1.Ausdrückliche Reisewarnung
2.Besser als unter der Brücke
3.SO LALA, NICHT OH, LÀ, LÀ
4.Meckern auf hohem Niveau
5.Wenn’s nur immer so wäre
6.Ganz großes Kino 

Insidertipps:

Rundflug: Abu Dhabis ungewöhnliche Topografie, die historischen Stätten und die beeindruckende Architektur von oben mit einem Wasserflugzeug entdecken.

Wüstentrip: Rub’ al Khali, auf deutsch “das leere Viertel“, so wird die eindrucksvolle Wüstenlandschaft mit Dünen und Salzseen außerhalb von Abu Dhabi genannt, die man unbedingt gesehen haben muss. Die schier endlose Sandwüste – mit mehr als 255.000 Quadratmeilen die größte der Welt – gilt als einer der am wenigsten erforschten Orte der Erde. Die Liwa-Oase ist besonders sehenswert. Empfehlung: ein Quad buchen und durch die Wüste cruisen.

Bar: Die exklusive La Cava Weinbar liegt unter dem Hotel Rosewood auf der Insel Al Maryah. Eine Wendeltreppe führt zu der stilvollen Bar mit über 1000 der teuersten Weine in den VAE.

Ausflug: Wer sich für die Formel 1 interessiert, sollte die modernste Rennstrecke der Welt besuchen. Die 2-stündige Führung über den Yas Marina Circuit Abu Dhabi führt hinter die Kulissen der Formel 1 und an Orte, die sonst nur Rennfahrern und Teams zugänglich sind.

Ausflug 2: Im riesigen Ferrari Themenpark Abu Dhabi lässt sich die Faszination Rennsport mit seiner Geschichte und rasanten Entwicklung perfekt entdecken. Spektakulär: die schnellste Achterbahn der Welt und aufwändige interaktive Ausstellungen.

Sehenswürdigkeit: die Sheikh-Zayed-Grand-Moschee mit über 1000 kunstvollen Säulen, 82 Kuppeln und dem größten Teppich der Welt – er wiegt 35 Tonnen und wurde von 1200 Kunsthandwerkerinnen im Iran gefertigt.

Sehenswürdigkeit 2: der prunkvolle goldverzierte Präsidentenpalast Qasr al Watan, der Sitz des Kabinetts, steht Besuchern offen.

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Eatrenalin: das Kulinarik-Event-Erlebnis auf Weltklasse-Niveau https://www.travelgrand.ch/blog/8690-eatrenalin/ Mon, 31 Oct 2022 14:57:56 +0000 https://www.travelgrand.ch/?p=8690

Von der Tiefsee bis ins Weltall: Neue Luxus-Suiten in Europas erfolgreichstem Freizeitpark, das wohl innovativste Gastronomiekonzept der Welt und eine spektakuläre 5D-Sinnesreise mit selbstfahrenden Sesseln

Das neue Eatrenalin-Gebäude in Rust (Foto: Europapark)

Ich bin im Europa-Park in Rust. Knapp sechs Millionen Menschen kommen jedes Jahr hierher in den größten und seit Jahren weltweit als bester ausgezeichneter Freizeitpark Deutschlands. Der Grund meines Besuches ist diesmal besonders spektakulär: Thomas Mack hat eingeladen seine neueste Geschäftsidee – kurz vor der offiziellen Taufe am 4. November – zu erleben und spricht vorab von nicht weniger als einer Weltneuheit. Der Name des lange geheim gehaltenen Projektes: Eatrenalin.

In diesen Zeiten mit überdurchschnittlich vielen Problemen, Sorgen und Nöten in der Welt bin ich froh, mal wieder in die kreative Europa-Park-Welt zu entfliehen und sehr gespannt, was die Mack-Family nun wieder ausgebrütet hat.

Auf dem Weg zum Krønasår-Hotel, in dem ich diesmal übernachte, komme ich an dem neuen riesigen Eatrenalin-Gebäude vorbei – das stylishe Logo, das mich an die Marke 101 erinnert (das neue Ranking der besten Hotels powered by Handelsblatt steht ja Ende November wieder an) fällt mir auf. Es wirkt irgendwie geheimnisvoll und passt zu den geschwungenen Linien, die an der grauen Fassade angebracht und jetzt am Abend beleuchtet sind.

Das Krønasår-Hotel neben dem Eatrenalin (Foto: Europapark)

Ann-Kathrin Mack, Architektin und für das Design in den Europa-Park-Hotels federführend, zeigt mir die komplett neuen Suiten (elf an der Zahl), von denen man – verbunden durch Gänge – direkt in die neue Attraktion nebenan gelangt. Besonders gefällt mir die Penthouse-Suite namens „Swan“ mit ihrem futuristisch klaren Einrichtungsstil. Highlight ist das sich völlig lautlos und ruckelfrei drehende Bett.

Eine der neuen Krønasår-Suiten mit 360 Grad-Dreh-Bett (Foto: Europapark)

Eatrenalin: ein neues futuristisches Gastronomie-Event-Konzept

Fünf Jahre Entwicklungszeit und über 20 Millionen Euro – ca. das 10-fache eines normalen Restaurants – hat das neueste „Baby“ des Europa-Parks gekostet: Eatrenalin, das Erlebnis-Restaurant auf 1600 Quadratmetern Fläche. Entwickelt hat Thomas Mack das Konzept gemeinsam mit seinem Freund Oliver Altherr, Vorstands-Chef des Schweizer Gastronomieunternehmens Marché International. Die beiden Unternehmer haben schon seit Jahren über die Vision eines Restaurants der Zukunft diskutiert („Wie wird in der Zukunft gegessen?“) und die Welt bereist. Der kühne Plan: wir erfinden die Gastronomie neu.

Das ist, ich nehme es vorweg, tatsächlich gelungen. Aber der Reihe nach.

In der edlen Champagner-Lounge im Eingangsbereich werden Amuse-Bouches gereicht: Knuspriger Kaviar, Topinambur mit Pastinake und Trüffel. Und ein köstliches Süppchen mit roten Linsen, Ingwer und Tandoori.

Dann die freundliche Empfehlung doch noch schnell die Toilette aufzusuchen, denn „gleich geht es los“.

Ab da dreht sich alles um einen Sessel. Einen Sessel? Ja, aber was für einen. Der „Floating Chair“ ist komplett neu entwickelt und patentiert von Mack Rides, der Daniel Düsentrieb-artig agierenden Schwester-Firma. Insgesamt sind pro Ledersessel über 2000 (!) Einzelteile verbaut, jeder Stuhl wiegt 320 Kilo.

Jeder bekommt seine Seating-Nummer für die nächsten gut 100 Minuten zugeteilt und noch einige Regeln mit auf den Weg: während der „Fahrt“ gilt es den Sessel – außer in Not(durft)-Fällen – nicht zu verlassen, nur in vorher genau festgelegten Räumen darf fotografiert oder gefilmt werden.

Und dann wird es spannend. Die Türen zur Eatrenalin-Welt öffnen sich endgültig.

Restaurant-Weltneuheit für alle Sinne

Wir fahren, nein, wir schweben in wechselnden Vierer-Sesselgruppen – mal nebeneinander, mal gegenüber – zusammengefügt, von einer kulinarischen Themenwelt in die nächste. Eine Reise durch ingesamt elf Räume und die fünf Sinne: schmecken, hören, riechen, sehen, fühlen.

Pablo Montoro aus Alicante ist der Head-Chef  hinter dem Küchenkonzept. Der Spanier ist in seiner Heimat ein Star und geprägt von seiner Zeit an der Seite von Ferran Adrià im El Bulli. In drei Küchen rund herum wird stets frisch gekocht.

Die Küchencrew um den spanischen Star-Koch Pablo Montoro (vorne links) (Foto: Europapark)

Jeder der insgesamt acht Gänge ist ein kulinarisches Kunstwerk kombiniert mit Multimedia, Musik, Choreographie und wechselnden Szenarien. Das Konzept ist zwar erlebnisorientiert, doch kulinarisch höchst anspruchsvoll.

Die Initiatoren von Eatrenalin: Thomas Mack und Oliver Altherr (Foto: Europapark)

Zuerst schwebe ich in die Ocean genannte Unterwasserwelt. Sinnliches aus den Tiefen des Meeres. Sphärische Musik – eigens komponiert – umgibt mich wie eine Welle. Ein Fach meines Floating Chair klappt unhörbar aus. Eine Muschel steht plötzlich wie von Geisterhand vor mir – gefüllt mit Meeresfrüchten, Plankton und Champagner-Sud. Köstlich. Ich weiß nicht, wo ich zuerst hingucken soll.

In der 5D-Ocean-Welt: Abtauchen in die Tiefe des Meeres (Foto: Europapark)

Sinnesreize im Überfluss, Gänsehaut inklusive. Grandios plastische Fische, riesige Quallen und bunte Korallen umgeben mich auf den illuminierten riesigen LED-Bildschirmwänden.  Eine täuschend echte Tiefsee-Inszenierung. Unmerklich und geräuschlos bewegt sich mein Sessel währenddessen durch den Raum, staunende Nachbarn um mich herum wechseln lautlos und floaten weiter. Bis zu 16 Menschen schweben in ihren Sesseln durch jeweils einen Raum.

Und schon geht es in den nächsten Themenraum: Umami, Asiens fünfte Dimension. Sashimi mit Grapefruit, Nigiri mit gerösteter Paprika, frisch gedämpfte Dim Sum werden vom sympathischen Mönch Mitsuki nach einem kräftigen Schlag auf den goldenen Riesen-Gong an einer langen Tafel serviert.

Von jetzt auf gleich finde ich mich mit meinen Mitreisenden in einer Rakete im Weltraum. Sterne umgeben uns. Das schwarze All. Wir fliegen zum Mond. Mein treuer Begleiter, der Schwebesessel, fängt plötzlich an zu rumpeln – wir sind in einen Sonnensturm geraten, den wir gerade so überstehen. Unfassbar.

Wir sind auf dem Mond gelandet. Die Türen der Raumfähre öffnen sich. Ich schwebe in den nächsten Raum – genannt „Universe“. Die Sessel gruppieren sich selbstständig um einen glänzenden runden Tisch – in der Mitte schwebt majestätisch eine riesige, bläulich leuchtende, 3D-Erdkugel. Auf dem Speiseplan steht nun: „Mysteriöses aus dem All“. Es gibt keine Astronauten-Kost, sondern butterzartes Beef mit essbarem Silber, ein Monolith-Brioche und Maniok-Kohle. Je ein Spot beleuchtet den Teller.

Dann naht das Finale im nächsten Raum – genannt „Incarnation“, die süße Verwandlung. Fast unsichtbare Service-Geister servieren den köstlichen Dessert-Gang zubereitet von Chef-Pâtissière Juliana Clementz: Weiße Schokolade mit Tahiti-Vanille und Chambord-Beerenlikör.

Wir verlassen nach knapp zwei Stunden, die im wahrsten Sinne wie im Flug vergangen sind, unsere Hightech-Sessel und betreten einen Aufzug, der uns – die letzte perfekte Illusion – scheinbar nach oben in die Rooftop-Bar bringt.

Die Genussreise in 8 Akten klingt in der futuristischen Bar aus. Zurück in der Wirklichkeit. Weltklasse!

Die futuristische Eatrenalin-Bar (Foto: Europapark)

Eatrenalin: Weltweite Expansion in Zukunft denkbar

Ich spreche mit Thomas Mack. Mich interessiert vor allem die unternehmerische Vision hinter diesem völlig neuartigen Erlebnis-Gastro-Event. Thomas erläutert mir, dass er in nächster Zeit erst einmal in Ruhe und im Detail das Europa-Park-Eatrenalin zum vollen Erfolg führen will, „bis alles sitzt“. Dann aber bietet sich das Konzept langfristig für eine Vervielfältigung und internationale Expansion an. Potentielle Investoren müssten zweistellige Investitionen stemmen. Interesse gibt es bereits – aus New York und weiteren Metropolen. Ein großer Vorteil: egal wo auf dieser Welt können die Erlebnis-, Content- und Storywelten an regionale Gegebenheiten angepasst werden.

Ich bin irgendwie noch etwas benommen. Diese erstaunliche Vielfalt an optischen, sinnlichen und sensorischen Eindrücken arbeitet in mir. Die beiden letzten surrealen Stunden mit den auch physischen Erlebnissen waren faszinierend, unerwartet und haben mich in Erstaunen versetzt.

Das Eatrenalin wird weltweit  für Aufsehen sorgen, das ist klar. Nicht nur unter Genussmenschen, Kulinarikbegeisterten und Kreativen. Die Dining- und Hospitality-Branche hat ein neues Highlight.

Mir imponiert der Mut mitten in einer der größten Krisen unseres Landes eine tatsächliche Weltneuheit zum Leben zu erwecken. Der Ansatz die Gastronomie in schwierigsten Zeiten neu zu erfinden. Faszinierend auch, wie in diesem Projekt die diversen Spezialunternehmen der Firmengruppe zusammengewirkt haben und jeder seinen besonderen Teil zum großen Ganzen hinzugefügt hat.

Fest steht für mich: Thomas Mack ist aus dem Schatten seines erfolgreichen Vaters herausgetreten und hat sein Meisterstück abgeliefert. Das Eatrenalin ist ein echtes Zukunftskonzept – genau das Richtige für Menschen, die das Besondere und Außergewöhnliche suchen. Hier am Rande des Europa-Parks wird in nächster Zeit Gastronomie-Geschichte geschrieben.

Raths Reiserating:

1.Ausdrückliche Reisewarnung
2.Besser als unter der Brücke
3.SO LALA, NICHT OH, LÀ, LÀ
4.Meckern auf hohem Niveau
5.Wenn’s nur immer so wäre
6.Ganz großes Kino (!)

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Schwarzwaldstube und Restaurant Bareiss: Im deutschen Eldorado für Genießer https://www.travelgrand.ch/blog/8664-schwarzwald/ Mon, 24 Oct 2022 08:27:37 +0000 https://www.travelgrand.ch/?p=8664

Die traditionsreichen Häuser Bareiss und Traube Tonbach: In Baiersbronn geht es kulinarisch um alles. Eines der beiden Hotels liegt aber in Sachen Herzlichkeit vorn.

Außenbereich des Hotels Bareiss - Die Gäste können sich unter anderem in einem Naturschwimmteich vergnügen. (Foto: Hotel Bareiss)

Ich bin im Mitteltal im nördlichen Schwarzwald. Hier in Baiersbronn, dem Dorf der Feinschmecker, stehen das Hotel Bareiss und die Traube Tonbach, die beiden dominanten Luxus- und Gastronomiehotels meiner Jugend.

Das Hotel Bareiss ist das Reich von Hermann Bareiss. Mit 29 hat er das Haus 1973 von seiner Mutter Hermine übernommen. Die hatte das Hotel seit 1947 aufgebaut und befand: Der Sohn ist, nachdem er sich im Hotel Bachmeier am Tegernsee und in vielen weiteren nationalen und internationalen Stationen bewiesen hatte, so weit, zu übernehmen.

Ich checke ein. Unmittelbar umhüllt mich die hohe Intensität der hier im Hause allgegenwärtigen Zugewandtheit und Gastfreundschaft. Das Bareiss hat 100 Zimmer, knapp 300 Mitarbeiter, vier Restaurants und einen überaus aufwendigen Außenbereich mit Schwimmbad, Naturbadeteich und Dutzenden Nebengebäuden. Was mich am allermeisten beeindruckt, ist die Finanzkraft, die das Bareiss in ihr Mitarbeiter-Training steckt. Dafür stehen ein eigenes Gebäude und insgesamt 200 Trainingstage im Jahr zur Verfügung.

Hotel Bareiss: Fokus auf die Mitarbeiter

Das zahlt sich aus. Wo andere Hoteliers vielleicht in Extrazimmer oder Spa-Facilities investieren würden, hat Bareiss schon sehr früh den richtigen Weg eingeschlagen: Fokus auf die Mitarbeiter – ein sehr nachhaltiger und erfolgreicher Ansatz. Daher kommen immer wieder auch die besten Auszubildenden aus diesem Haus.

Bei der herausragenden Mani- und Pediküre verrät mir Olga, meine Spa-Therapeutin aus Kasachstan: „Wir werden hier nach Herzlichkeit eingestellt, freundlich sind ja viele.“ Die echte Achtsamkeit und ständige warmherzige Ausrichtung auf den Gast im Mittelpunkt ist immer spürbar. Das Zimmermädchen im Gang macht den Staubsauger aus, als ich mich nähere. Ich frage nach dem Grund. Sie entgegnet: „It would hurt your ears.“
Restaurant Dorfstuben - Hier wirkt seit 1987 ununterbrochen Claus-Peter Lumpp. Seit 1992 ist er Küchenchef, seit 2007 holt er jedes Jahr drei Sterne. (Foto: Hotel Bareiss)

Im Restaurant Bareiss wirkt seit 1987 ununterbrochen Claus-Peter Lumpp. Seit 1992 ist er Küchenchef, seit 2007 holt er jedes Jahr drei Michelin-Sterne. Lumpp gehört sozusagen zur Familie im Bareiss. Beim Frühstücksbüffet spüre ich, dass Lumpp sich als Küchenchef auch für das Portfolio am Morgen verantwortlich fühlt. Wenn es im Guide Michelin eine Frühstücksbewertung gäbe, dann wären hier ganz sicher drei Sterne fällig. Ich zähle 28 verschiedene Käse, zwölf verschiedene Schinken, drei verschiedene Bircher-Müsli, 20 verschiedene Brotsorten und Brötchen.

Hannes, der Sohn von Patron Hermann Bareiss, ist mittlerweile für das Hotel verantwortlich. Das Haus brummt, mit mehr als 80 Prozent Stammgästen. Aber es gibt auch dunklere Wolken. Seit September müssen die Gäste neun Euro pro Nacht extra für Energie zahlen – ob das reicht? Juniorchef Bareiss glaubt, dass die meisten Gäste verstehen, dass diese Anpassung nötig ist. Tatsächlich sind Hotels meist von Erdgas abhängig. Aufgrund der Energiekrise und der steigenden Kosten werden enorme Verteuerungen in allen Bereichen erwartet.

Schwarzwaldromantik im Bareiss - Der Badeteich des Hotels. (Foto: Carsten K. Rath)

Auf dem Gang zum Zimmer begegnet mir Shimo, der Hauspage, der seit 31 Jahren im Haus arbeitet. Auch er begrüßt mich mit Namen, wie einen alten Freund. Ich frage: „Wie machen Sie das denn bloß mit all den Namen?“ Shimo erklärt: „Wenn ich an der Rezeption stehe, erkenne ich von 100 Leuten mindestens 95. Die anderen fünf Prozent finde ich ganz schnell heraus, bevor die das merken.“ Ich bin beeindruckt und frage: „Wie finde ich denn den Weg zu Spa?“ Shimo: „Indem ich Sie begleite und hinführe.“

Zusammenfassend schätze ich hier im Bareiss den stets selbstverständlichen Luxus und den meisterhaft zugewandten Service: ruhig, gelassen, elegant, präzise. Das Namensschild mit der Aufschrift „Mit dem Herzen dabei“, das hier jede und jeder trägt, bräuchte es da gar nicht. Man spürt es ohnehin.

Ich fahre das Tal hoch und bin gespannt auf die „neue“ Traube Tonbach mit dem – wieder – Dreisternerestaurant „Schwarzwaldstube“. Die vergangenen zwei Jahre waren bitter für das Haus. Im Januar 2020 war im Restauranttrakt des weltbekannten Gourmetdomizils ein verheerendes Feuer ausgebrochen. 70 Stunden brannte es, später fand man heraus: Ein Kabelbrand war der Auslöser.

Hotel Traube Tonbach: Ein Brand und andere Krisen

Das neu errichtete Stammhaus - Der Betrieb im Traube Tonbach läuft in der achten Generation – mit zwei bitteren vergangenen Jahren. (Foto: Traube Tonbach)

Der Betrieb in dem Fünfsternehotel lief zwar in der Folge weiter, die in Jahrzehnten aufgebauten Sterne aber waren weg. Neben dem Brand gab es ja auch noch die Pandemie und andere Krisen. Allein den Fokus auf wahre Qualität hier nicht aufzugeben oder den Kopf in den Sand zu stecken, ist schon eine Auszeichnung wert. Aber in der achten Generation gibt man auch nicht einfach auf, sondern versucht, aus der Krise stärker herauszukommen. Das ist dem Seniorchef Hermann Bareiss und seiner Mannschaft insgesamt gelungen.

Ich fahre vor und bin irritiert über die seltsame und unkomfortable Ankunftssituation: Zwei Auszubildende begrüßen mich herzlich, die Ankunftslobby aber ist leer. „Gleich kommt jemand“, heißt es. Als nach Minuten noch immer niemand erschienen ist, packe ich meinen Koffer und fahre allein mit dem Aufzug hoch. Ich schleppe mein Gepäck einen langen, menschenleeren Gang entlang, bis ich endlich die oben gelegene Rezeption erreiche.

Die Schwarzwaldstube 3.0: Kulinarik vom Allerfeinsten

Später fällt mir die allgegenwärtige Kunst auf. Die Schwiegereltern von Heiner Finkbeiners Sohn Sebastian besitzen eine Galerie. Mehr als 100 zeitgenössische Bilder, Skulpturen, Plastiken und Installationen bekommen hier im Haus eine sehr beeindruckende temporäre Bühne.

Die neue Schwarzwaldstube - Sie ist das genaue Gegenteil der alten – und lässt den Schwarzwald herein. (Foto: Traube Tonbach)

Nun bin ich sehr gespannt auf die neue Schwarzwaldstube. Zuerst bin ich überrascht. Die alte Schwarzwaldstube war verzwirbelt, verwunschen, gemütlich, ein Tempel. Jetzt ist sie genau das Gegenteil. Sie ist offen. Bodentiefe Fenster. Gefühlte 20 Meter Deckenhöhe. Keine Vorhänge. Man sitzt quasi mitten im Schwarzwald. Mir fällt es noch schwer, das neue Design schön zu finden.

Dann die Küche von Torsten Michel: grandios. Jeder Gang schlägt den nächsten. Es gibt keine Aussetzer. Die Entenleber, nicht süß, wie man es erwarten würde, eher mit herb-säuerlichem Ton am Salat. Die Brioche perfekt gebacken. Dazwischen: moderne Gerichte, zum Beispiel der grandiose Hummer mit Zitronengras. Die Küche ist jünger, moderner, im Zweifel – und das ist keine Majestätsbeleidigung – sogar noch besser geworden. Es ist subjektiv jetzt perfekt.

Mich fasziniert: Der Brand hat 20.000 Flaschen Wein vernichtet. Große Italiener, Franzosen, alle verschmolzen. Der Sommelier hat das perfekt nachgearbeitet, mit den Stammgästen gesprochen und ihnen tolle Weine aus deren Kellern abgekauft. Und was ich nicht wusste: Die großen Weingüter, die Margaux dieser Welt, haben kleine Schatzkästchen für solche Notfälle. Wenn wirklich mal ein Drama passiert, wie hier 2020, dann machen die den Keller auf und helfen. Jetzt hat der Weinkeller wieder 32.000 Positionen, die großen Kracher sind alle wieder da. Ein Weinkeller, über den man ein Buch schreiben könnte.

Standort-Design - Der Schwarzwald gehört in der Traube Tonbach zum Markenkern. (Foto: Carsten K. Rath)

Fazit

Die beiden Ikonen der deutschen Hotellerie miteinander zu vergleichen, liegt auf der Hand und ist unmöglich zugleich. Sie sind nur sieben Kilometer voneinander entfernt. Gastronomisch sind beide Häuser absolut perfekt, ebenbürtig. In der reinen Hotelleistung liegt das Bareiss vorne. Es ist freundlicher, professioneller, klarer, vor allem herzlicher, aufmerksamer. Die Traube ist manchmal im Umgang etwas weniger klar und geschärft in der Gastgeberschaft.
Beide haben, vorsichtig gesagt, einen Nachholbedarf in der Hardware. Die Traube hat schon gefühlt nachrenoviert, der Brand war im Nachhinein auch eine Chance. Aber mir ist nicht bange. Mit Mathias und Sebastian Finkbeiner steht in der Traube die nächste Generation parat, um das Lebenswerk von Renate und Heiner Finkbeiner fortzuführen. Und Hannes Bareiss ist schon über zehn Jahre an der Seite seines unermüdlichen Vaters und hat die Familienenergie intus. Er weiß ganz genau, was er will. Das Baiersbronner Tal mit seinen beiden Gourmet-Flaggschiffen wird also, da bin ich mir sicher, auch künftig ein weltweiter Anziehungspunkt bleiben.

Raths Reiserating:

1.Ausdrückliche Reisewarnung
2.Besser als unter der Brücke
3.SO LALA, NICHT OH, LÀ, LÀ
4.Meckern auf hohem Niveau
5.Wenn’s nur immer so wäre
6.Ganz großes (klassisches) Kino

Insidertipps:

Joggingstrecke: Eine rund sieben Kilometer lange Strecke schlängelt sich durch Tonbach hinaus in das ruhige Wildgehege Tonbach.

Radtour: Fantastische Ausblicke über das Baiersbronner Mitteltal von der Aussichtsplattform am Ellbachsee – nur etwa eine 30-minütige Autofahrt von beiden Hotels entfernt.

Sehenswürdigkeit: Die Sankenbachwasserfälle, eine halbe Stunde Autofahrt von Baiersbronn entfernt. Der zweistufige Wasserfall stürzt an der steilen Karwand mit voller Gewalt hinunter.

Wandern: Einer der Baiersbronner Himmelswege: Eindrucksvolle Wanderung vom Tonbachtal über alte Holzmacherpfade.

Erschienen auf:

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Die Zukunft der Hotelbranche: Am Vierwaldstättersee hat das weltweit erste Hotel eröffnet, das sich der Neurologie widmet. https://www.travelgrand.ch/blog/8639-das-morgen-vitznau/ Tue, 18 Oct 2022 14:15:04 +0000 https://www.travelgrand.ch/?p=8639

Ich fahre am Ostufer des Vierwaldstättersees entlang. Der See glitzert, als ich den Hafen an der Seepromenade passiere – bestimmt 100 Yachten liegen hier und schaukeln sanft im Wind. Vitznau hat sich in den letzten Jahrzehnten total gemacht und mutet mit seinen Zedern, Zypressen und üppiger Blumenpracht sehr mediterran an. Bekannt gemacht hat den Ferienort am Fuß der Rigi auch das renommierteste Hotel am Platz, das Parkhotel Vitznau (mit dem vielleicht weltbesten Weinkeller) und auch der Vitznauerhof mit seinem idyllischen Park am See.

Der Vierwaldstättersee ist einer der schönsten Seen Europas (Foto: Carsten K. Rath)

Heute aber will ich die neueste Attraktion in Vitznau erkunden: das erste Neuro-Campus-Hotel der Welt: „Das Morgen“.

Das Neuro Campus Hotel „Das Morgen“ von außen (Foto: Carsten K. Rath)

Eingecheckt habe ich über die hoteleigene App. Mein Iphone dient mir in den nächsten Tagen als Zimmerschlüssel und zur Lichtsteuerung. In der Lobby – ganz ohne Rezeption – treffe ich auf Resident-Manager Tim Moitzi. Ich frage ihn was sein brandneues Hotel mit Neurologie zu tun hat: „Alles was wir beim Schlafen oder beim Essen tun, hat immer etwas mit unserem neurologischen System zu tun. Und genau das versuchen wir hier im Neuro-Campus darzustellen.

Die Idee zu diesem neuen Hotel-Produkt hatte der österreichische Unternehmer, Investor und Visionär Peter Pühringer, der die Gegend um den Vierwaldstättersee liebt und hier bereits das Parkhotel Vitznau und das Campus-Hotel Hertenstein besitzt. Zudem betreibt er die international anerkannte Reha-Klinik für neurologische Erkrankungen in Weggis. Ziel seiner Neuro Culinary Center AG ist es Investitionen in Hotellerie und Gastronomie zu schaffen, indem „Produkte, Prozesse und Präzision im Bereich der Kulinarik weiterentwickelt werden“.

„Das Morgen“: Gastroroboter für mehr Service

Jedes der 54 Zimmer hier ist anders. Es gibt: klassische Doppel-Zimmer, Zimmer mit zwei oder drei Schlafbereichen und auch Mehrbettzimmer für Gruppen.

Das ungewöhnliche Hotel gliedert sich in vier Gastzonen, die sich auf das Erdgeschoss und das Dach als fünftes Obergeschoss verteilen. Die Bereiche heißen „gestern“ (mit klassisch-lokaler Küche in einer heimeligen Schweizer-„Stübil“), „heute“ (mit vegetarischer und veganer Ausrichtung) und eben vor allem: „morgen“ auf experimenteller Ebene.

Auch und gerade beim Essen setzt das Neuro Campus Hotel auf technische Mittel. Noch im Zimmer habe ich in der „Taste 4 me“-App mein individuelles Gastro-Profil erstellt – um Allergien, bevorzugte Lebensmittel, Vorlieben zu vermerken. Tim erläutert mir, dass ich dadurch nun personalisierte Menüvorschläge erhalte und die Gerichte dann einzeln und exakt bewerten kann. Der Algorithmus verhindert, dass mir nochmal Speisen vorgeschlagen werden, die mir nicht geschmeckt haben. Die von mir bevorzugten Zutaten werden von den Campus-Köchen zum persönlichen Menu finalisiert.

Die Zukunft der Hotellerie entsteht in der Schweiz

Dann wird es spannend für mich: „Vitzi“ (von Vitznau) und „Telli“ (von Tellerträger) rollen heran: meine Roboterkellner für den Abend. Kleine Kinder aus der Region haben sich die putzigen Namen ausgedacht.

Ich lerne: Die Gastroboter können von der Begrüssung im Restaurant bis zum Zimmerservice inklusive Liftnutzung für verschiedene Prozesse genutzt und optimiert werden. Entwickelt wurden die erstaunlich wendigen elektronischen Helfer von der Schweizer Firma Sebotics (sebotics.com). Die Serviceroboter der neuesten Generation können Gerichte und Geschirr zwischen Küche und Gasträumen transportieren, dem Servicepersonal unnötige Wege abnehmen und Stoßzeiten überbrücken helfen. Der Gastronom hat dann letztlich – indem Prozesse geshortet und ersetzt werden – wieder mehr Zeit für seine Gäste.

Vitzi und Telli: „… wehe, wenn sie losgelassen“ (Foto: Carsten K. Rath)

Das Konzept scheint mir extrem schlüssig: Personal nicht ersetzen, aber entlasten. Gerade beim derzeitigen Fachkräftemangel ein sehr sinnvoller Ansatz – bevor die Personalengpässe zu einem noch größeren Desaster führen, als sie es aktuell eh schon sind.

Serviert vom Service-Roboter: Dinner im „Das Morgen“ (Foto: Carsten K. Rath)

Personalisierte Ernährung im „Das Morgen“

Ich laufe zur Talstation der Rigi-Bahn im Ort, eine der ältesten Zahnradbahnen der Welt. Dieser voralpine Gebirgstock ist eine der beliebtesten Schweizer Touristen-Attraktionen – mit nicht weniger als sieben (!) Bergbahnen kann man die Rigi – die Königin der Berge – erobern. Ich fahre mit purer Nostalgiefreude im historischen Wagen und rauchender Dampflok in einer halben Stunde hoch auf Rigi-Kulm.

Der nostalgische Rigi-Express (Foto: Carsten K. Rath)

Vom Rigi-Hauptgipfel (1797 m) bietet sich eine phantastische Rundsicht über den See und große Teile der Alpen. Ich denke an Mark Twain und seine schillernde Beschreibung eines Sonnenaufgangs, den er auf der Rigi begeistert genossen hat – tatsächlich ist es frühmorgens hier am eindrucksvollsten.

Traumblick bei der Rigi-Auffahrt auf den Vierwaldstättersee (Foto: Carsten K. Rath)

Auf der Rückfahrt unterbreche ich auf halbem Weg und gönne mir eine Auszeit im Rigi Kaltbad-Spa, das der Schweizer Architekt Mario Botta sehr gelungen aus Naturstein geschaffen hat. Ich geniesse vor allem den Ausblick vom Außenpool auf dem Dach.

Fazit: „Das Morgen“ hier in Vitznau ist mehr Versuchslabor der Hospitality-Zukunft als Hotel, ein Vergleich mit anderen Businesshotels verbietet sich eigentlich. Mich fasziniert das neue Neuro-Hotel-Konzept. Früher haben wir Hoteliers versucht, den Gästen jeden Wunsch von den Lippen abzulesen. Heute hilft dabei neueste Technologie. Zimmer und Menüpläne z.B. werden exakt auf jeden einzelnen Gast abgestimmt.

Ein eigener Kosmos: „Das Morgen“-Welt in Vitznau (Foto: Carsten K. Rath)

Mir hat es großen Spaß gemacht in diese neue spannende Erlebniswelt einzutauchen und Hotel-Menschen zu erleben, die sich endlich mal auf den Weg machen, etwas wirklich Neues auszuprobieren.

Ich bin froh, dass es Vordenker wie Peter Pühringer gibt, der viel Geld in die Hand nimmt und die Hotellerie mit seinem Ansatz fortan quasi vor sich her treibt. Das innovative Konzept im „Das Morgen“ mit seinen zukunftsweisenden Erkenntnissen der neurowissenschaftlichen Forschung funktioniert bereits eindrücklich. Das Neurologie-Themen-Hotel brummt spürbar und ist meist ausgebucht, die Raten sind schon so kurz nach dem Start bemerkenswert hoch. Der Mut dem Gast etwas revolutionär Wegweisendes anzubieten bewährt sich hier im beschaulichen Vitznau tatsächlich.

„Everybody wants change, but nobody wants to change“

Ich bin begeistert all das erlebt zu haben. Die intensive Vernetzung von Innovation und Forschung mit dem klaren Ziel das persönliche Wohlergehen zu steigern. „Das Morgen“ ist die momentan wohl spannendste Gastro- und Hotel- Versuchsküche weltweit – und lässt mich erahnen, wie Hotelaufenthalte der Zukunft und die Gastronomie 3.0 aussehen werden.

Insidertipps:

Sehenswürdigkeit: Ein faszinierendes Labyrinth im Berg. Die Artilleriefestung Vitznau wurde im zweiten Weltkrieg als Verteidigungsbollwerk gebaut und war lange Staatsgeheimnis. www.festung-vitznau.ch

Restaurant: im „Sens“ kocht der junge holländische Wilde Jeroen Achtien auf höchstem Zwei Sterne-Niveau. Raffinierte Menüs mit vielen regionalen Komponenten. Das traumhafte Setting direkt am Seeufer bietet den grandiosesten Sonnenuntergangsblick überhaupt.

Schiffstour: Fahrt mit dem Dampfschiff idyllisch von Vitznau in gut einer Stunde nach Luzern oder einmal quer über den See nach Beckenried und dann mit der Seilbahn hoch ins Wanderparadies Kiewenalp (1600 m). www.lakelucerne.ch

Raths Reiserating:

1.Ausdrückliche Reisewarnung
2.Besser als unter der Brücke
3.SO LALA, NICHT OH, LÀ, LÀ
4.Meckern auf hohem Niveau
5.Wenn’s nur immer so wäre
6.Ganz großes Kino

(Vitzi bringt das Essen)

Weitere Fotos:

Roboter Telli (Foto: Carsten K. Rath)
Roboter im Ruhezustand (Foto: Carsten K. Rath)
Spätsommer am Vierwaldstättersee (Foto: Carsten K. Rath)

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Das neues Lifestyle-Hotel: Hilton Canopy London https://www.travelgrand.ch/blog/8618-hilton-london/ Mon, 10 Oct 2022 09:49:41 +0000 https://www.travelgrand.ch/?p=8618

Ein neues Lifestyle-Hotel im pulsierenden Londoner East End mit orangenen Fahrrädern, äußerst dünnen Wänden, unverputzten Decken und sehr motivierten Mitarbeitern

Die Canopy-Mixtur: Design meets local Vibes (Foto: Carsten K. Rath)

Ich sitze im Taxi von Heathrow in die Innenstadt. Nachdem wir die grauen Industrievororte verlassen haben und die mir vertrauten Londoner Straßenzüge auftauchen, ist das „Swinging London“-Gefühl sofort wieder da. Ich liebe die Coolness und Vitalität dieser immer noch multikulturellsten Metropole – vor vielen Jahren habe ich hier selbst als Hotelier zwei Häuser geführt. Samuel Jackson drückt meine London-Vibes treffend aus: „When a man is tired of London, he is tired of life.“

Übernachten im Herzen von Londons East End

Mein Domizil ist das noch neue Canopy, das erste britische Haus von Hiltons mittlerweile 12. globaler Eigenmarke. Das 4 Sterne-Hotel im Stadtteil Tower Hill ist die erste reine „Lifestyle“-Marke des Konzerns, die als „natürliche Erweiterung der Nachbarschaft“ jedes der neuen Hotels (es sollen bald 100 weltweit sein) fungieren soll.

Das erste Canopy by Hilton wurde 2016 in Reykjavík eröffnet

Rund um das Hotel ist noch alles Baustelle, die ganze Gegend ist ein Multimillionen-Hotelentwicklungsprojekt, direkt neben dem Canopy liegt auch das Motel One.

Das Hotel ist nur wenige Gehminuten von der U-Bahnstation Liverpool Street entfernt und in der Nähe der Brick Lane, der London Bridge, des Towers und der St. Paul’s Cathedral.

Die Lobby im Canopy by Hilton (Foto: Hilton)

Ich will einchecken und wundere mich das erste Mal: der Rezeptionsbereich ist ein großer offener Raum mit vielen Sitzgelegenheiten, aber der eigentliche Counter ist viel zu klein für die 340 Zimmer – die Menschen stauen sich vor und hinter dem ca. 6m langen Tresen. Das ist nicht hip, sondern nervig.

Viktorianisches Londoner Wahrzeichen: die Tower Bridge (Foto: Carsten K. Rath)

Die Innenausstattung des Hotels soll die Kultur der historischen Textilindustrie des Viertels wiedergeben, inspiriert von den Seidenwebern, die sich einst hier niederließen. Als Hommage an die zeitgenössische lokale Kunstszene schmücken Werke von Künstlern aus der Nachbarschaft die öffentlichen Bereiche.

Die Heimat der Kronjuwelen: Der Tower of London (Foto: Carsten K. Rath)

Ich schaue mir das Restaurant an. Das Raumdesign gefällt mir, die floralen Muster und gewebten Stoffe an den Wänden strahlen Wärme aus. Das „Penny Square“ ist zum Frühstück und Abendessen geöffnet und bezieht den Großteil der Lebensmittel und Getränke von lokalen Partnern.

Apropos Frühstück: am nächsten Morgen komme ich spät – um viertel vor 10 – zum Frühstück, das ist hier im Haus ein großer Fehler. Die Käsetheke sieht aus wie ein Schlachtfeld. Als einzige Brotsorte gibt es nur noch Weissbrot – dazu einige Süßteilchen. Ich frage freundlich nach Vollkornbrot, das sei alles schon aus für heute. Ich trinke dann nur einen Kaffee. Die Basta-Ansage des Zero-Service-Excellence-Mitarbeiters hallt lange in mir nach.

Eine Hotel-Todsünde: Desinteresse am Gast statt Service-Mentalität (Foto: Carsten K. Rath)
Hotelzimmer mit hölzernem Baldachin (Foto: Hilton)

In meinem Zimmer erinnert mich das Bett an meine Jugend, damals wollte ich immer in einer Hängematte schlafen, nach 5 Minuten Durchhängen merkte ich, dass die Romantik beim Schlafen nicht funktioniert. Um so weicher die Matratze hier ist, um so härter und größer sind die Kissen. Hier hat offenbar niemand probegeschlafen.

Zimmerstyle by Canopy (Foto: Hilton)

Seltsam auch die Decke: unverkleideter Beton. Die Rohre der Sprinkleranlagen sind zu sehen, genau wie die Elektroleitungen der Lampen. Sollte es ein Designelement sein, erschliesst es sich mir nicht.

Seltsames Designkonzept: offenliegende Rohre und unverputzte Decken (Foto: Carsten K. Rath)

Zudem sind die Wände leider dünn wie Papier. Ich bin Ohrenzeuge eines heftigen erotischen „Zweikampfs“ im Nebenzimmer, an Schlaf ist erstmal nicht zu denken. Als die Geräusche nebenan abebben kann ich dennoch nicht schlafen und bin genervt: Die Klimaanlage bläst zu laut und ist an der falschen Stelle angebracht, so dass man den kühlen Hauch deutlich spürt. Außerdem stört mich das penetrante rote Licht an der Klimaschaltung.

Neben der Nespressomaschine fällt mir am nächsten Morgen die  nachfüllbare Wasserflasche aus Glas auf, die man in der Pantry auf jeder Etage auffüllen kann. Mir persönlich gefällt diese erneuerbare Idee, die pro Jahr sicher Tonnen an Plastikmüll einspart.

Im Badezimmer: guter Wasserdruck in der Dusche, Toilettenartikel von Apvita – die Nachhaltigkeit ist nicht durchgezogen – in einzelnen Plastikfläschchen.

Badezimmer im Canopy (Foto: Hilton Hotels)

Und was mich stört: das Bad mag für eine Person noch gerade so für einen Kurz-Aufenthalt ausreichend sein, für zwei Personen ist es viel zu klein. Es gibt nur ein Waschbecken, die Ablage ist viel zu schmal.

Am nächsten Tag besuche ich die Londoner Zentrale von Peloton Digital, einem monatlichen Fitness-Abodienst, der es Benutzern ermöglicht, auf iOS und Android-Geräten via App mehr als 8000 Kurse des Unternehmens zu Radfahren, Laufen, Yoga und Meditation zu streamen. Ich bin mir sicher: das ist die Fitness-Zukunft, die für Studios zwar nicht rosig aussieht, dafür aber Hotels enorme Potentiale bietet. Statt pro Hotel für zehntausende Euros modernste riesige Fitnessgeräte anzuschaffen, die dann doch oft ungenutzt rumstehen und wertvollen Platz wegnehmen, könnte man die TV-Zimmertechnik so modernisieren, dass der Gast auf dem Hotelzimmer sein ganz individuelles Fitness-Programm absolvieren kann (https://www.onepeloton.de/). Ich kam darauf, weil dies hier im Hilton angeboten wird, großartig!

Peloton: Die Zukunft der Hotel-Fitness? (Foto: Carsten K. Rath)

Ich besuche zum Ende meines Aufenthaltes die Lobby Bar – hier gibt es heute eine kostenlose Gin-Verkostung – und erfahre, dass es einen solchen kleinen Happy-Hour-Event jeden Abend gibt. Eine gute Idee, die der Bar eine gewisse Stimmung verleiht.

Insgesamt war ich vom Canopy Hotel nicht sonderlich beeindruckt. Für Londoner Verhältnisse ist das Viersterne-Hotel, in guter Lage zu öffentlichen Verkehrsmitteln, zwar eine noch relativ bezahlbare Option, für die in London oft astronomisch teuren Hotels. Andererseits, wenn ich Preis und Leistung abwäge, würde meine Hotel-Wahl sicher auf das Motel One (https://www.motel-one.com/de/)  nebenan fallen – hier zahlt man ein Drittel dessen, was das Canopy aufruft.

Der überraschend gute Servicestandard war das Erfreulichste hier. Stets zuvorkommend und meist von Herzen freundlich (abgesehen vom Frühstücksservice). Insbesondere die Frontoffice-Mitarbeiter sind auf Zack, vor allem Tim fällt mir hier positiv auf. Er ist proaktiv und ist ein cooler Typ. Das Personal an der Rezeption ist ausnehmend hilfsbereit, zuvorkommend, weit besser als in vielen anderen Häusern, die ich erlebt habe.

Da passt ein Ausspruch von Designer Philippe Starck, der selbst mehrere Hotels in London eingerichtet hat: „Mir geht es nicht um´s Aussehen der Dinge, sondern um die Gefühle, die sie auslösen.“ In diesem Sinn muss ich zusammenfassend für das Canopy sagen: gefühlsmässig berührt haben mich in diesem Hotel „nur“ die meisten der Mitarbeiter.

Insidertipps:

Joggingstrecke: 200 m runter zum Tower of London, dann über die Tower Bridge, nach rechts abbiegen und Richtung London Eye laufen – mit Blick auf den Buckingham Palace. Unbedingt frühmorgens oder später abends, tagsüber verhindern Touristenmassen ein Durchkommen.

Museum: Das Tate Modern, mit der nüchtern-beeindruckenden Herzog/de Meuron-Architektur und moderner Kunst von Warhol bis Moore, ist immer noch das eindrucksvollste Museum in dieser an Kunststätten nicht armen Stadt. Abends kommen, dann ist es leerer (freitags/samstags geöffnet bis 22 Uhr). Alternative: die Serpentine Gallery in den Kensington Gardens.

Radtour: mit einem der kostenlosen orangenen Fahrräder des Canopy die Straßen des East Ends erkunden – voller Geschichte und moderner Straßenkunst.

Raths Reiserating:

1.Ausdrückliche Reisewarnung
2.Besser als unter der Brücke
3.SO LALA, NICHT OH, LÀ, LÀ
4.Meckern auf hohem Niveau
5.Wenn’s nur immer so wäre
6.Ganz großes Kino

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Ein Hotel-Palast der Extraklasse, für den die gewohnte Fünf-Sterne-Einordnung nicht ausreicht https://www.travelgrand.ch/blog/8589-new-york-aman/ Tue, 04 Oct 2022 12:31:38 +0000 https://www.travelgrand.ch/?p=8589

Das brandneue Luxus-Refugium der berühmten Hotelgruppe in New York ist das aktuelle Non plus ultra-Hotel auf der Welt und eine Ruheoase inmitten der Stadt, die niemals schläft.

Ich war bislang bestimmt über 15x in New York und jedes Mal auf´s Neue von der Vielfalt der Stadt begeistert. Diesmal bin ich hier um den derzeit absoluten Hot-Spot der weltweiten Hotelszene zu besuchen und dort einige Tage zu verbringen: das neueste – 34. – Haus der erfolgsverwöhnten Aman-Gruppe.

Das berühmte Crown Building beherbergt das Aman New York (Foto: Aman)

Kaum entsteige ich an der Ecke Fifth Avenue/57. Straße meinem gelben Taxi umwogt mich die so vertraute massive New Yorker Geräuschkulisse, wie eine alles andere absorbierende Bubble. Ich stehe vor dem berühmten neoklassizistischen Crown Building, das die letzten Jahre aufwändigst umgestaltet wurde und nun – seit Anfang August dieses Jahres – das Aman New York beherbergt.

Ich bin der erste deutschsprachige Journalist, der das – nach Tokyo – erst zweite städtische Hotel der Gruppe erkunden darf. Über ein Jahrzehnt hatte man in der wohl umkämpftesten Hotelmetropole der Welt nach einem Standort gesucht. 2015 kaufte der russische Milliardär Vladislav Doronin dann die Etagen 4 bis 24 des goldgekrönten Gebäudes für stolze 500 Millionen Dollar.

Der imposante Eingang des Aman New York (Foto: Amanresorts)

Ich betrete das Hotel durch das imposante und gleichsam dezente Eingangsportal. In der nächsten Sekunde werde ich mit Namen begrüßt und zum Aufzug geleitet, der mich hoch zur Rezeption bringt.

Noch bevor ich den Aufzug betrete wundere ich mich. Irgendetwas hat sich während der ersten Sekunden meines Eintretens in die Aman-Welt verändert und mir wird bewusst: dieses Hotel ist schon hier im Empfangsbereich komplett geräuschfrei. Der typische New Yorker-Lärmpegel ist ausgeblendet. Später finde ich heraus, dass dies eine der vielen Besonderheiten dieses Hotels ist: das gesamte Gebäude ist durch eine komplizierte aufwändige Schallisolierung aus Glas vor der lärmigen Außenwelt geschützt. Ich bin baff und fühle fortan und in den nächsten Tagen das, was alle Aman´s als Basis ausmacht: die Ruhe. Die Stille.

Auf dem Weg zu meinem Zimmer fallen mir die besonderen Wände mit mehreren Schichten aus strukturierten Decken- und Wandpaneelen auf und gedämpften Ton-in-Ton-Farben.

Ich wohne in einem der normalen Zimmer, aber hier im Haus ist eigentlich nichts normal – selbst dieses hat 70qm, was vor allem für New Yorker Verhältnisse mehr als geräumig ist.

Grandios: der Kamin, der in die Wand zwischen Wohn- und Schlafbereich eingelassen ist. Jede einzelne der Suiten hier im Haus hat so eine edle Feuerstelle. Insgesamt, so erfahre ich später, gibt es ca. 200 (!) Kamine.

Ein Schlafzimmer im Aman New York (Foto: Amanresorts)
Ein Aman New York-Badezimmer (Foto: Amanresorts)

Mein Jet-Lag lässt grüßen und ich sinke in mein ungemein bequemes Riesenbett und bin in Sekunden glücklich weggeschlummert.

Aman-CEO Vlad Doronin (Foto: Amanresorts)

Am nächsten Morgen bin ich sehr früh wach und spüre noch immer die Zeitverschiebung und muss mich bewegen. Das Aman ist ideal gelegen um New York zu entdecken. Schräg gegenüber ist der Trump-Tower, nur zwei Blocks entfernt befinden sich weitere legendäre Hotel-Ikonen, so das Peninsula, das TAJ, das Plaza und das Regent. Für mich als Jogger ideal: der südöstliche Eingang des Central Parks ist nur zwei Blocks entfernt.

Die Garten-Terrasse im Aman New York (Foto: Amanresorts)

Zurück im Hotel verspüre ich Hunger. Das Aman NY verfügt über gleich mehrere originelle Locations. Mein Highlight ist die großzügige grüne Gartenterrasse im 14. Stock, auf der man das ganze Jahr über – dank eines versenkbaren Glasdaches – essen kann.

Das Arva, das italienische Restaurant von Aman, ist ganztägig geöffnet. Ich geniesse perfekte Pasta und vor allem den Blick auf den Central Park, durch den ich eben noch geschnauft bin. 

Dann wird es Zeit das Aman-Spa zu erforschen, die sich über drei Etagen erstreckt.

Restaurant Arva (Foto: Amanresorts)
Der Spa & Wellness-Pool (Foto: Amanresorts)

Absolutes Highlight und Herzstück ist der von Day Beds gesäumte 20 Meter lange warme Innenpool. Mich begeistert auch das große, mit modernsten Geräten ausgestattete Fitnesscenter und die Hydrotherapie-Anlage einschließlich Eisfontänen und multisensorischen Duschen.

Spektakulärer Außenpool im Aman NY (Foto: Amanresorts)

Zur Ruhe kommen im Aman New York

Beeindruckend: Der Innenpool im Aman-Spa (Foto: Amanresorts)

Das Wellnesscenter umfasst sieben Spa-Behandlungssuiten und vier zusätzliche Spa-Häuser – noch eine Premiere in New York – die jeweils über eine eigene Terrasse und ein Tauchbecken unter freiem Himmel verfügen. 

Ich habe ein spezielles Treatment gebucht und treffe auf Igor, meinen Therapeuten und seine charmante nepalesische Assistentin. Igor stammt aus der Ukraine, eine Anwendung heisst auf ukrainisch Platza.

Die Aman-Gartenterrasse mit Bar (Foto: Amanresorts)

Zuerst wärme ich mich in der Sauna auf, dann lege ich mich auf
eiskalte Eukalypthus-Blätter, damit ich besser atmen kann. Dann folgt ein Ritual mit Eichenblättern: leichtes Schlagen, Drücken, Massieren, danach geht es ins Kalt- und Heissbad. Anschliessend wird mir Tee serviert – ich fühle mich tatsächlich wie neugeboren.

Abends besuche ich das Restaurant Nama, dass die Idee der authentischen Omakase nach Manhattan übertragen soll und erlebe die erste und einzige Enttäuschung. Ich sitze an einem Katzentisch, den es in einem solchen Hotel nicht geben darf. Direkt vor der Terrassentür, jeder läuft vorbei. Dazu Unaufmerksamkeiten: der Hauptgang ist bereits serviert, da ist der Wein noch nicht mal geöffnet. Die Sushi- und Sashimi-Auswahl ist ok, aber nicht überragend, der mittlerweile ausgeschenkte Wein eher mittelmässig.

Aber alles andere hier im Haus ist wirklich unglaublich. Ich bin über die Leistungsfähigkeit des brandneuen Hotels schon jetzt begeistert. Dass ein erst vier Wochen geöffnetes Hotel bereits diesen Level of Excellence zeigt ist beeindruckend und ungewöhnlich, andere Hotels sind da noch im halben Rohbau-Modus.

Mein Fazit: das Aman New York ist großartiger, als alles, was ich bisher an Hotels gesehen habe. Die Liebe zum Detail, die Exklusivität, die ich aus jeder Ecke spüre. Und die Ruhe, die mich mitten in New York fast wie in einem Ferienresort fühlen lässt. Das hier ist, wie es der aus dem Sanskrit abgeleitete Name Aman verspricht: ein Ort des Friedens.

Insidertipps:

Joggingstrecke: am besten frühmorgens im Central Park, dem größten Park von Manhattan, die große Joggingrunde von knapp 10 Kilometern laufen, die einmal um die grüne Lunge von New York herum und am Central Park Reservoir vorbei führt. Wer es etwas gemütlicher will, leiht sich ein Ruderboot und paddelt auf den Seen. Mir hat auch das Erkunden des Parks per Fahrrad auf den perfekt ausgeschilderten Radwegen Riesen-Spaß gemacht – erstaunlich, wie groß der Park ist.

Aussichtspunkt: The Summit at One Vanderbilt, die 427 Meter hohe Plattform ist erst knapp ein Jahr geöffnet und die erste Aussichtsplattform, die an der Ostseite Manhattans liegt. Großartiger Blick auf das nahe Empire State Building, den East River und den Central Park.

Ausflug: die „Manhattan, Brooklyn und Coney Island“-Helikopter-Tour ist der längste Flug mit einem Hubschrauber, den man in New York buchen kann und schwer beeindruckend. Unbedingt rechtzeitig im voraus reservieren – seitdem sonntags keine Helis mehr fliegen dürfen, sind die Flüge an den restlichen Tagen schnell ausverkauft.

Raths Reiserating

  1. Ausdrückliche Reisewarnung
  2. Besser als unter der Brücke
  3. So lala, nicht oh, là, là
  4. Meckern auf hohem Niveau
  5. Wenn’s nur immer so wäre
  6. Ganz großes Kino
  7. Im Siebten-Sterne-Himmel

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Ein echter Geheimtipp für den verlängerten Sommer an der Adria https://www.travelgrand.ch/blog/8557-montenegro-2/ Tue, 27 Sep 2022 15:46:16 +0000 https://www.travelgrand.ch/?p=8557

In Montenegro gibt es neben dem angenehmen Klima und formidablen Hotels spannende Historie, tolle Ausflugsmöglichkeiten und weniger Touristen als an den Küsten von Kroatien oder Italien.

Pool im Regent - Der Blick geht hinaus aufs Meer, über die Bucht von Kotor. (Foto: Carsten K. Rath)

An der südöstlichen dalmatinisch-montenegrinischen Adriaküste liegt die rund 30 Kilometer lange Bucht von Kotor. Bergflanken ragen steil in die Höhe und verleihen der Bucht ein fjordartiges Aussehen – allerdings mit dem angenehm warmen Klima der Adria.

Ich habe mir für meinen Besuch hier zwei recht unterschiedliche Häuser ausgesucht: das nur zehn Minuten vom Flughafen am Hafen des quirligen Tivat gelegene Montenegro Regent und am Ufer gegenüber das völlig abgeschieden gelegene One & Only Portonovi.

Das Regent ist ein richtiges Resort-Hotel. Es liegt direkt am Jachthafen von Tivat und bietet einen Blick über die Bucht und auch auf ein paar sehr große Superjachten in der Marina. Das Haus ist exzellent geführt, das spüre ich an jedem Detail.

Beim Frühstück ist vor allem die großartige Obstauswahl hervorzuheben. Der Service ist durchgehend zuvorkommend und aufmerksam.

Und dann gibt es da noch den Pool. Eigentlich sind es sogar vier Pools, die sich über zwei Ebenen erstrecken – ein Hauptpool, ein Rundpool und zwei Kinderpools.

Eines fehlt mir hier jedoch: Ich würde mir wünschen, dass ab und zu jemand am Pool vorbeikommt, um Getränke anzubieten. Da könnte man sicher mehr machen. Aus anderen Resort-Hotels kenne ich es, dass das Servicepersonal regelmäßig mit einem Frozen Yogurt oder einem Obstspieß durchläuft.

Über zwei Ebenen - Der Pool im Montenegro Regent besteht eigentlich aus vier Pools. Das größte Becken hat 237 Quadratmeter. (Foto: Montenegro Regent)

Die Zimmerausstattung gefällt mir außerordentlich gut. Die Möbel sind aus Vollholz, ebenso wie der Parkettboden. Die Betten sind bequem, die Bäder bieten viel Platz. Sämtliche Zimmer haben einen Balkon oder eine Terrasse, die zur Marina hinausgeht. Überhaupt kann man hier aus jedem Raum, egal ob im Spa, im Meeting-Raum oder im Restaurant, immer hinaus aufs Meer blicken. Architektonisch ist das sehr clever gelöst.

Auffällig ist der Stolz der Menschen, der ohne einen Funken Arroganz auskommt. Ich empfinde diese Atmosphäre als extrem angenehm. Man spürt, dass die Mitarbeiter gut ausgebildet sind und merkt, dass sie zum Teil mehrere Sprachen beherrschen, einige sogar Deutsch.

Sie alle möchten, dass sich Montenegro weiterentwickelt, vor allem im Tourismus. Aber anders als in den Nachbarländern wollen die Menschen hier eher hin zu einem hohen Qualitätsstandard.

Übrigens: In Montenegro zahlt man bereits mit Euro, obwohl das Land noch gar nicht in der EU ist.

Am Fuße der Berge - Das Haus liegt am Fuße der Berge direkt an der Marina von Tivat. Hier liegen zahlreiche große Jachten. (Foto: Montenegro Regent)

Mein Fazit: Das Regent ist ein wunderschönes, sehr gut ausgestattetes Fünf-Sterne-Hotel. Es lebt von seinem herzlichen Personal, von der großartigen Gastronomie und dem Hafen mit seinen riesigen Jachten. Hier ist Leben in der Bude. Man kann flanieren, ist schnell in der Altstadt und nebenan gibt es eine sehenswerte Ausstellung alter U-Boote. All dies ist zu einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis zu haben.

Raths Reiserating:

  1. Ausdrückliche Reisewarnung
    2. Besser als unter der Brücke
    3. So lala, nicht oh, là, là
    4. Meckern auf hohem Niveau
    5. Wenns nur immer so wäre
    6. Ganz großes Kino
One & Only Portonovi - Das Hotel liegt an der Einfahrt zur Bucht von Kotor, dem Regent quasi schräg gegenüber. (Foto: One & Only Resorts)

Ganz anders ist die Atmosphäre im zweiten Hotel, das ich besuche, im One & Only Portonovi. 132 außergewöhnlich luxuriöse Zimmer, 21 Pools, 500 Mitarbeiter und ein aufgeschütteter Sandstrand – ganz schön beeindruckend. Das Hotel liegt an der Einfahrt zur Bucht von Kotor, dem Regent quasi schräg gegenüber. Es gilt als ein Kleinod an der „neuen“ Riviera Europas. Hier erholen sich die Reichen und Schönen, wie etwa die deutsche Schlagersängerin Helene Fischer, die tatsächlich neben mir am Strand liegt.

So viel Exklusivität macht sich auch bei den Mitarbeitern bemerkbar. Sie sind zurückhaltend, vornehm und servil. Das meine ich aber nicht negativ, sondern im professionellsten aller Sinne. Dies passt perfekt zum ultraluxuriösen Ambiente. So perfekt der Service im One & Only aber auch ist, mir persönlich fehlt dann doch ein wenig die Bindung zum Gast, also das, was man in der Quality Assurance „emotionale Vernetzung mit dem Gast“ nennt.

Beeindruckt bin ich von der Zahl der Restaurants: Es gibt drei – ungewöhnlich bei der Anzahl der Zimmer. Am besten gefällt mir das japanisch-peruanische Restaurant Tapasake Club. Es ist in den hoteleigenen Jachthafen hineingebaut, liegt also direkt am Wasser. Nachmittags dient es eher als Partylocation mit guter Musik und erinnert an Bars auf Ibiza, abends wird hier japanisches Essen vom Feinsten serviert.

Eigene Boote - Im One & Only stehen für die Gäste luxuriöse Annehmlichkeiten bereit. (Foto: Carsten K. Rath)

Was mich aber richtig stört, sind die Katzen, die hier überall herumlaufen. Wenn sie beim Abendessen sogar auf die Bank springen und ständig um einen herum sind, nervt das ungemein. Wie unangenehm muss das erst für Menschen mit einer Katzenallergie sein. Für ein solches Hotel ist das in meinen Augen schlicht unangemessen.

Im Spa finde ich das medizinische Konzept von Chenot herausragend. Hier werden maßgeschneiderte Programme und innovative Behandlungen angeboten – alles basierend auf neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Eine moderne Form der Detox-Kur.

Mein Fazit: Das One & Only ist wie aus „1001 Nacht“. Luxus pur. Die Marmorplatten sind dick, die Sessel mit schwerem Leder bezogen, die Möbel aus Holz, das Licht indirekt. Alles ist groß, elegant und jedes Detail wirkt durchdacht. Wirklich: ein Hotel vom Allerfeinsten.

Raths Reiserating:

  1. Ausdrückliche Reisewarnung
    2. Besser als unter der Brücke
    3. So lala, nicht oh, là, là
    4. Meckern auf hohem Niveau
    5. Wenns nur immer so wäre
    6. Ganz großes Kino
Spa im One & Only - Hier wird mit dem aus der Schweiz stammenden Chenot-Konzept gearbeitet. (Foto: Carsten K. Rath)

Insidertipps:

Restaurant: Mieten Sie ein Boot zum Restaurant Fisherman’s Village. Ein perfektes Setting und fantastischer Fisch. Ich habe mich für das große Menü mit sieben Gängen entschieden – es hatte Zwei-Sterne-Qualität. Und ich empfehle, ganz gegen meine Überzeugung, den serbischen Rosé. Dieses Restaurant ist absolut vergleichbar mit den besten Lokalen in Saint-Tropez, Miami Beach oder Porto Cervo.

Ausflug: Mit dem Boot geht es in rund 40 Minuten bis zum Ende des Fjords. Hier liegt das Städtchen Kotor, dessen mittelalterliche Altstadt von einer eindrucksvollen Stadtmauer umschlossen ist. Seit 1979 gehört Kotor zum Unesco-Weltkulturerbe.

Geschichte: In Zeiten des Warschauer Pakts, als Montenegro noch ein Teil Jugoslawiens war, wurden an der Adriaküste zahlreiche U-Boot-Bunker gebaut. Heute werden sie nicht mehr genutzt und einige von ihnen sind mittlerweile für Touristen zugänglich – in der Bucht von Kotor kann man sogar hineintauchen. Vor der Naval Heritage Collection am Hafen in Tivat sind zwei der dort hergestellten U-Boote ausgestellt. Faszinierende Geschichte zum Anfassen.

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Das größte Palasthotel der Schweiz im prachtvollen Musik-Mekka Montreux am Genfersee https://www.travelgrand.ch/blog/8496-montreux/ Tue, 20 Sep 2022 05:55:09 +0000 https://www.travelgrand.ch/?p=8496
Das Fairmont Le Montreux Palace Foto: Carsten K. Rath

Ich bin unterwegs nach Montreux, ins Zentrum der sogenannten Schweizer Riviera. Das sympathische Städtchen liegt am oberen Ende des Genfer Sees, dort wo die Berge steil in den See abfallen. Schon von weitem sehe ich das blaue Glitzern des Sees in der Ferne und freue mich wieder am Lac Léman zu sein.

Mein Ziel für die nächsten Tage: das berühmte Luxushotel Fairmont Le Montreux Palace in der Avenue Claude Nobs, die seinen Namen dem Gründer des weltberühmten Jazzfestivals in Montreux verdankt, das alljährlich im Juli stattfindet.

Schon beim Aussteigen fällt mir auf, wie gepflegt und sauber die Promenade hier ist. Überall leuchtende Blumenbeete, sanft im Wind rauschende Palmen, akkurat gestutzte Rasenflächen und Bänke zum Ausruhen. Mein Blick schweift über den See Richtung Genf gegenüber und ich denke an so manch schmuddeligen Platz dort, der mir bei meinem letzten Besuch negativ aufgefallen ist.

Montreux: Perle der Schweizer Riviera

Die Seeküste hier in Montreux, das goldene Ufer, wie es liebevoll genannt wird, hat Ähnlichkeiten mit der Côte d’Azur – auch hier herrscht quasi mediterranes Klima.

Ich checke ein im Palace und treffe mich mit Hoteldirektor Michael Smithuis. Wir haben einen gemeinsamen Freund, Ingo C. Peters, den Chef im Fairmont Vier Jahreszeiten in Hamburg, dem – laut „Die 101 besten“-Ranking – führenden Hotel Deutschlands. Der erfolgreiche Fairmont-Statthalter in Hamburg ist, so erfahre ich, so etwas wie ein Mentor für Michael. Offenbar mit Erfolg: wie das Schwesterhotel an der Alster, ist auch das Fairmont Montreux das erste Haus am Platz. Inhaber des imposanten Hotelpalastes ist übrigens der deutsche Unternehmer Bernard Grosse Broermann, dem u.a. auch die Asklepios-Kliniken und das Hotel Atlantic in Hamburg gehören.

Das Montreux Palace ist 1906 gebaut und beeindruckt mich mit seiner beeindruckenden und denkmalgeschützten Belle-Epoche-Architektur. 236 Zimmern und Suiten gibt es – einige, wie die Quincy Jones-Suite, benannt nach bevorzugten VIP-Gästen. Ich empfinde von Anfang an eine angenehme Atmosphäre aus Tradition und Eleganz, kombiniert mit neuesten Technologien und einem an jeder Stelle erstklassigen Service.

Das Hotel ist mit seinen grandiosen riesigen Ballsälen und Tagungsräumen zudem gefragter Veranstaltungsort für Konferenzen. 2019 war das Le Montreux Palace z.B. Gastgeber des sagenumwobenen Bilderberg-Treffens.

Suite mit Traumblick-Terrasse Foto: Carsten K. Rath

Nachdem ich meine blitzsaubere Suite – vieles hier im Haus ist alt, aber extrem gut in Schuss –  mit Traumblick über den See und die majestätischen Alpen bezogen habe, zieht es mich nach draußen: das bunte Treiben hier an der Montreux-Riviera lässt sich am besten bei einem Spaziergang entlang des Ufers erleben – die Promenade erstreckt sich über 13 Kilometer.

Montreux: Flanieren mit Riviera-Feeling

Am Place du Marché steht plötzlich unvermittelt Freddy Mercury vor mir. Genauer gesagt die überlebensgroße gusseiserne Statue des ehemaligen Queen-Leadsängers. Mit seinen Bandkollegen gehörte ihm eines der damals drei bedeutenden Tonstudios hier in Montreux.

Die bronzene Freddy Mercury-Statue am Ufer in Montreux (Foto: Carsten K. Rath)

Freddie Mercury und Queen nahmen dort insgesamt sechs Studioalben auf. Mercury fühlte sich hier zuhause und konnte Ruhe und Freiheit genießen, die er sonst nirgendwo fand. „Wenn du deinen Seelenfrieden willst, komm nach Montreux“, sagte er in einem Interview kurz vor seinem Tod.

Montreux: die Stadt der Musik

Montreux ist die Stadt der Musik, daher muss ich noch ein Ereignis aus dem Jahr 1971 erwähnen: damals feuerte bei einem Frank Zappa-Konzert ein Fan seine Leuchtpistole in das hölzerne Dach des Casinos und verursachte einen riesigen Brand. Vor Ort war damals auch die britische Band Deep Purple, die sich von der extremen Rauchentwicklung zu ihrem späteren Welthit „Smoke on the water“ inspirieren ließen.

Ich flaniere weiter – von Montreux bis zum geschichtsträchtigen Märchenschloss Chillon: die wunderschöne Uferpromenade führt vom Marktplatz mit kleinen bunten Ständen, vorbei an Ufercafés und Bars. Dieser Seeweg ist mit Sicherheit der schönste am Genfer See, nein, ich lege mich fest: in der gesamten Schweiz.

Dann kommt das prächtige Schloss Chillon in Sicht, das meistbesuchte Schweizer Baudenkmal und die bedeutsamste Sehenswürdigkeit im weiten Umkreis.

Das imposante Château de Chillon Foto: Carsten K. Rath

Das Château de Chillon stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist das letzte Relikt des Mittelalters, als die Rivalen Savoyen und Bern noch Krieg um die Herrschaft am Genfer See führten. Einen klaren Sieger gab es damals nicht, daher teilen sich Frankreich und die Schweiz seither den Lac Léman.

Die perfekte Wanderung: von Montreux zum Schloss Chillon

Zurück im Hotel freue ich mich auf die Spa und auf Entspannung deluxe. Durch einen Tunnel gehe ich vom Hotel unter der Straße durch und komme in einen wahren Wellness-Tempel.

Ich bin beeindruckt von der riesigen und perfekt sauberen 2.000 m² großen Erholungslandschaft: Hallenbad, Außenpool, Sauna, Jacuzzi, Hamam, alles da – in Gedanken vergebe ich spontan 6 Spa-Sterne.

Fairmont Montreux: Weltklasse-Spa mit Seezugang

Jetzt im Sommer lädt der Außenpool zum Schwimmen ein, der riesige Garten reicht bis zum See. Spontan springe ich in die Fluten und fühle mich pudelwohl.

Die grandiose Spa-Wiese direkt am Genfer See Foto: Carsten K. Rath

Mittlerweile ist es etwas kühler geworden, die nahen Alpen sorgen, was ja in warmen Sommern sehr angenehm ist, für frischere Abendluft.

Abendpanorama auf den Genfer See Foto: Carsten K. Rath

Das Montreux-Savoir-vivre hat mich angesteckt – ich fühle mich beschwingt und gleichermaßen entspannt von dieser Stadt, in der es irgendwie stets laissez-faire-mässig zugeht.

Ich setze mich auf die Terrasse, schaue über den See mit seinen funkelnden Lichtern an den Ufern. Freddy Mercury kommt mir wieder in den Sinn und ich suche auf meinem Handy den Song, den er seinem Seelenort Montreux gewidmet und kurz vor seinem Tod in seinem Apartment mit Blick auf den See geschrieben hat: „A Winter’ Tale“ und plötzlich fühle und verstehe ich seine emotionale Verbundenheit zu der kleinen Schweizer Stadt …

„So quiet and peaceful
Tranquil and blissful
There’s a kind of magic in the air
What a truly magnificent view
A breathtaking scene
With the dreams of the world
In the palm of your hand.“

Ich nehme mein Glas mit dem grandiosen Walliser Rotwein und proste Richtung See: Salud, Freddy!

Insidertipps:

Joggingstrecke: am besten frühmorgens links aus dem Hotel am Ufer entlang Richtung Schloss Chillon.

Aussichtspunkt: eine spektakulären Blick über den See hat man hoch über Montreux von der Altstadt aus – 5 Minuten zu Fuß vom Zentrum.

Ausflug: Wandern in den Hängen um St. Saphorin. Das Weinanbaugebiet von Lavaux gehört zu einem der schönsten Flecken der Schweiz – mit Blick auf den schier endlosen, tiefblauen See.

Sehenswürdigkeit: Charlie Chaplin verbrachte die letzten 25 Jahre seines Lebens am Genfersee, wo er in Corsier-sur-Vevey mit seiner Familie ein großes Herrenhaus bewohnte. Heute befindet sich hier „Chaplins World“, das weltweit einzige Museum, das ausschließlich dem Künstler gewidmet ist.

Raths Reiserating:

1.Ausdrückliche Reisewarnung
2.Besser als unter der Brücke
3.SO LALA, NICHT OH, LÀ, LÀ
4.Meckern auf hohem Niveau
5.Wenn’s nur immer so wäre
6.Ganz großes Kino

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