Wo die Gastfreundschaft in der DNA liegt

Der Standard der Südtiroler Hotellerie ist seit Langem einer der besten Europas – so auch im La Maiena Meran Resort, im Chalet Mirabell und in der Quellenhof See Lodge.

Die Südtiroler Institution am Eingang ins Passeiertal ist in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden und wohl das Hotel mit dem umfangreichsten Sport- und Wellnessprogramm in den Alpen. (Foto: Quellenhof See Lodge)

Südtirol ist landschaftlich sicherlich eine der schönsten Gegenden, die ich kenne: beeindruckende Gipfel, grüne Täler, eine mediterrane Lebensart und freundliche Menschen. Glücklicherweise ist auch der Standard der Hotellerie hier schon seit vielen Jahren einer der besten in Europa.

Es ist fast, als übertrumpften sich die Hotels gegenseitig, was die familiäre Gastfreundschaft, die regionale Gastronomie und luxuriöse Wellnessmöglichkeiten angeht. Ich habe im Sommer drei dieser Häuser rund um den beliebten Kurort Meran besucht.

Mein erster Stopp in Südtirol führt mich ins Hotel La Maiena in Marling, einem Ortsteil von Meran. Nur zehn Minuten braucht man vom Hotel in die mediterrane Kurstadt am Fuße der Dolomiten. Meran ist die wohl italienischste Stadt in Südtirol, etwa die Hälfte der Einwohner sind italienische Muttersprachler. Palmen und üppige Oleander zieren die zweitgrößte Stadt der Region, im Hintergrund ragen die mächtigen Gipfel der Dolomiten in die Höhe.

Die Hotellerie in Südtirol ist wie eine große Familie, rund um Meran fast noch mehr als im Rest der Provinz. Ich habe das Gefühl, jeder ist mit jedem verwandt.

Dem Bruder von Hans Waldner, Seniorchef des La Maiena, gehört das Hotel Obernwirt, das ebenfalls in Marling liegt. Auch Waldners Nichten besitzen ein Hotel in der Nähe. Seine Frau, Seniorchefin Marlene Waldner, stammt aus der Hoteliersfamilie der Quellenhof See Lodge, die ich auf dieser Reise noch besuchen werde.

Die Waldners führen das Haus generationenübergreifend. (Foto: La Maiena/Armin Terzer)

Im Grunde haben hier alle die Gastfreundschaft bereits mit der Muttermilch aufgesogen. Nach wie vor ist es allerdings oft so, dass der älteste Sohn den Hof beziehungsweise heute eben das Hotel erbt und die jüngeren Geschwister auszahlen muss. Die Mädchen heiraten nicht selten in andere Hoteliersfamilien ein.

Hier im La Maiena ist es einmal anders: Elisabeth und Mathias, die beiden Waldner-Geschwister, haben sich zusammengetan und führen das Haus mit ihren Familien nun gemeinsam. Praktischerweise gehört auch der Küchenchef zur Familie: Er ist mit Elisabeth Waldner verheiratet. Ich habe großen Respekt vor dem, was man hier in nur drei Generationen geleistet hat. Aus dem ehemaligen Bauernhof ist ein Fünf-Sterne-Hotel geworden, das den Vergleich nicht scheuen muss.

Wie eng die Familie beisammen ist, spürt man in der herzlichen, persönlichen Gastfreundschaft. Am Abend macht der Juniorchef den Weinservice und erklärt seinen Gästen die Südtiroler Anbaugebiete. Am Morgen ist er dann zusammen mit seinem Vater beim Frühstück, bei dem beide mit anpacken, wo es gerade nötig ist. Sie räumen Teller ab, servieren Kaffee und begrüßen jeden persönlich – natürlich mit Namen.

Personalprobleme auch in Südtirol

Selbstverständlich stehen auf dem Frühstücksbuffet Käse aus der örtlichen Käserei und Schinken vom Bauern nebenan, die Marmelade ist selbstgemacht, die Äpfel sind von der Plantage hinterm Haus, und die Butter wurde ebenfalls im Ort hergestellt.

Allerdings merkt man, dass es auch hier in Südtirol derzeit nicht so einfach ist, Personal zu bekommen. Dafür sind sämtliche Mitarbeiter sehr freundlich und herzlich. Die Zeiten, in denen ein Fünf-Sterne-Hotel auch einen technisch perfekten Service bot, scheinen allerdings gänzlich vorbei zu sein. Aber vermutlich ist das für die Gäste von heute auch nicht mehr relevant.

Der Spa ist großzügig angelegt mit mehreren Pools und Saunen. Es gibt sogar einen eigenen Pool für Kinder, damit die Erwachsenen besser entspannen können, womit das Hotel seine Familienfreundlichkeit unterstreicht. Die Zimmer, vor allem die neuen Suiten, sind toll ausgestattet.

Von hier aus haben Erholungssuchende einen weiten Blick über Meran und die vielen Apfelplantagen. (Foto: La Maiena/fotomike.com)

Eigentlich gibt es nur eine Sache, die mir nicht so gut gefällt: Das Haus ist überdekoriert. Überall steht noch ein Töpfchen, noch ein Blümchen, noch eine Kerze. Hier wäre weniger sicher mehr. Die tolle Lage unweit des Stadtzentrums muss man leider mit der Hauptstraße vor dem Haus und der Bahnlinie gegenüber bezahlen. Im Hotel Eden in Meran hat man diese Einschränkungen nicht und ist tatsächlich mitten in der Stadt.

Raths Reise-Rating (aktuelle Wertung gefettet)

1. Ausdrückliche Reisewarnung
2. Besser als unter der Brücke
3. So lala, nicht oh, là, là
4. Meckern auf hohem Niveau
5. Wenn’s nur immer so wäre
6. Ganz großes Kino

 

Weiter geht meine Südtirolreise nach Hafling, ins Hotel Chalet Mirabell, eine knappe halbe Stunde oberhalb von Meran gelegen. Wofür man sich im La Maiena drei Generation Zeit ließ, hat man hier in nur einer hochgezogen. Vor gerade einmal 20 Jahren stand an der Stelle des Chalet Mirabell noch ein kleiner Gasthof, der sich mittlerweile zum Fünf-Sterne-Luxusresort gemausert hat. Es verlangt eine große Portion Mut, gleich in der ersten Generation einen hohen zweistelligen Millionenbetrag zu investieren. Chapeau!

Das noch recht junge Resort glänzt unter anderem mit dem längsten Naturbadeteich Südtirols. (Foto: Chalet Mirabell/Gerd Eder)

Sowohl von der Architektur als auch vom Innendesign her ist das Hotel ausgezeichnet, wenn auch für meinen Geschmack wieder etwas überdekoriert. Trotzdem: Meine Erwartungen werden vollends erfüllt – und ich gebe zu, dass ich mittlerweile recht hohe Erwartungen an die Hotellerie in Südtirol habe, die, wie auch hier, nur selten enttäuscht werden.

Der Service überzeugt

Dass es abends ein hervorragendes Fünf-Gänge-Menü gibt, erstaunt mich daher kaum. Obwohl es eigentlich eher neun als fünf Gänge sind, wenn man den Salat, das Amuse-Bouche und die anderen Kleinigkeiten mitzählt. Logisch, dass immer auch eine Gourmet- und eine vegane Variante zur Auswahl stehen.

Die Weine sind ebenso gut wie das Menü und liegen preislich im vernünftigen Rahmen. Überzeugend ist auch der Service. Wie im La Maiena sind die Gastgeber, Familie Reiterer, einfach überall. Wenn abends ein Kellner fehlt und auch am Morgen – beide sind immer zur Stelle. Sie sind Gastgeber im ursprünglichen Sinne, eher Wirte. Und das meine ich durchaus als Kompliment.

Saunen, Pools und Entspannungsbereiche erstrecken sich auf 2,5 Hektar. (Foto: Chalet Mirabell/Gerd Eder)

Absolute Weltklasse ist der Spa des Chalets Mirabell: Auf zweieinhalb Hektar können sich die Gäste in verschiedenen Saunen, Pools und Ruhebereichen entspannen. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll mit der Erholung, so groß und vielfältig ist das Angebot. Fast habe ich das Gefühl, es geht hier mehr ums Entspannen und den Gourmetaspekt als um die Übernachtung. Dabei sind die Zimmer und Suiten großartig ausgestattet, mit Regendusche, eigener Höhensonne und natürlich dem typischen Blick in die archaischen Gipfel der Dolomiten.

Als störend empfand ich nur die nächtlichen Geräusche vom benachbarten Ziegenbauernhof, die mir den Schlaf raubten. Obwohl ich die angenehm kühle Nachtluft in den Dolomiten sonst so liebe, musste ich leider das Fenster schließen.

Raths Reise-Rating (aktuelle Wertung gefettet)

1. Ausdrückliche Reisewarnung
2. Besser als unter der Brücke
3. So lala, nicht oh, là, là
4. Meckern auf hohem Niveau
5. Wenn’s nur immer so wäre
6. Ganz großes Kino

 

Zum Schluss meines Aufenthalts genieße ich noch ein paar Tage in der Quellenhof See Lodge – eine Südtiroler Institution am Eingang ins Passeiertal, ebenfalls nur knapp 30 Minuten von Meran entfernt. Der Quellenhof ist in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden und wohl das Hotel mit dem umfangreichsten Sport- und Wellnessprogramm, das ich in den Alpen kenne. Hier kann man in mehreren Pools schwimmen und im sechs Meter tiefen Tauchbecken sowie im hoteleigenen Badesee sogar Tauchkurse absolvieren.

Die Suiten im Quellenhof sind großzügig, cool und gemütlich. (Foto: Quellenhof See Lodges)

Es gibt Tennisplätze, Pferde zum Ausreiten, Mountainbikes und E-Bikes für knackige Radtouren, einen hauseigenen Vier-Loch-Golfplatz sowie eine 3D-Indoor-Golfanlage, Fitnessstudios und Yogakurse, die zahlreichen Wanderwege in die Berge natürlich nicht zu vergessen. Wie gut das Hotel in Sachen Sportangebote wirklich ist, belegt die Riege der Stammgäste, zu denen Profisportler wie Joshua Kimmich und Trainer Julian Nagelsmann und Fußballmannschaften wie die deutsche U21 gehören.

Die Zimmer sind großzügig, und die Ausstattung ist, wie man es in Südtirol erwartet: cool und zugleich gemütlich. Wie sie das hinbekommen, wissen wohl nur die Südtiroler selbst. Besonders fällt mir die herausragende Auswahl an Weinen und Bränden und vor allem deren Präsentation auf: Überall werden sie gezeigt und ausgestellt, es gibt sogar extra begehbare Räume. Die Weine werden zu vernünftigen Preisen angeboten. So gibt es etwa ein kleines Glas Rosé vom Weingut Elena Walch für 5,90 Euro.

Für unseren Tester bietet das Hotel das umfangreichste Sport- und Wellnessprogramm in den Alpen. (Foto: Quellenhof See Lodges)

Ein echtes Erlebnis ist für mich der Avatar-Aufguss in der Sauna: Während auf einem Bildschirm der Film „Avatar“ gezeigt wird, zelebrieren zwei Saunameister, verkleidet als Avatare und mit Avatar-Bewegungen, den Aufguss. Ja, das hört sich nach Disneyland an, hat damit aber wirklich gar nichts zu tun. Es ist einfach nur großartig. Überhaupt sind die verschiedenen Welten stimmig, alles wirkt zu Ende gedacht. Als Gast bekommt man das Gefühl, besonders zu sein.

Weniger ideal finde ich den Anschluss mit dem nebenan gelegenen Pendant Alpenschlössl. Die Gastfreundschaft ist zwar gut, aber hier würde ich mir etwas mehr Präsenz im Service wünschen. Die Rezeption ist erst ab 7.30 Uhr besetzt – was in einer Bergsteigerregion nicht gerade früh ist. Und viele Dienstleistungen werden vom Haupthaus aus erbracht. Das erschwert dem Gast den Aufenthalt ein wenig.

Raths Reise-Rating (aktuelle Wertung gefettet)

1. Ausdrückliche Reisewarnung
2. Besser als unter der Brücke
3. So lala, nicht oh, là, là
4. Meckern auf hohem Niveau
5. Wenn’s nur immer so wäre
6. Ganz großes Kino

Insidertipp

Ausflug: Nehmen Sie im benachbarten Lana die neue Seilbahn hinauf aufs Vigiljoch. Oben angekommen können Sie einen Abstecher ins Vigilius Mountain Resort machen, ein Designhotel von Stararchitekt Matteo Thun, das man nur mit der Seilbahn erreichen kann. Anschließend empfehle ich Ihnen den Rundwanderweg zum Bergsee Schwarze Lacke. In rund 30 Minuten sind Sie an einer schönen Hütte, wo Sie dringend den Kaiserschmarren oder, wenn Ihnen mehr nach etwas Deftigem ist, die Nudelsuppe mit Rindseinlage probieren sollten.

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