Koblenzer Spitzenhotel etabliert sich mit Mut und Innovationen

Eike Gethmann ist mit dem Hotel Fährhaus als Nachwuchs-Hotelier des Jahres ausgezeichnet worden. Zum Erfolg beigetragen hat auch eine Nachhaltigkeits-App.

Eike Gethmann - Der Geschäftsführer und General Manager des Fährhaus Koblenz ist der „Next Generation Hotelier des Jahres“. (Foto: Juri Reetz)

Für eine überdurchschnittliche Performance des deutschen Hotellerie-Nachwuchses scheint das Tal des Mittelrheins ein nährreicher Boden zu sein. Im vergangenen Jahr war Jan Bolland vom Bingener Papa Rhein erster Träger des Preises „101 Next Generation Hotelier des Jahres“.

80 Kilometer rheinabwärts in Koblenz liegt kurz vor dem Zufluss der Mosel in den Rhein das Hotel Fährhaus. Dessen Geschäftsführer und General Manager Eike Gethmann wurde nun im Düsseldorfer Fünfsternehaus Kö59 als zweiter Preisträger ausgezeichnet. In die Runde der letzten drei hatten es zudem Margaux Paulin Steiger (Steiger Hotels) und Jakob Benjamin Stöhrer (Hommage Hotel Nassauer Hof) geschafft.

Bolland wie Gethmann lernten ihr Geschäft von der Pike auf. Während Bolland in eine Hoteliersfamilie hineingeboren wurde, fiel beim nach eigener Aussage mäßigen, weil „stinkfaulen“ Schüler Gethmann der Groschen in Richtung Hotellerie erst in der Oberstufe am Koblenzer Görres-Gymnasium. Es folgte eine klassische Ausbildung zum Hotelfachmann im Münchener Vier Jahreszeiten Kempinski, inklusive Stationen in der Schweiz und in Bahrain.

Ein knappes Jahr stand Gethmann auch in der Münchener Promi-Bar Schumann‘s hinterm Tresen. Er ließ sich an der Deutschen Hotel Akademie Köln zum Revenue Manager ausbilden und leitete ab Juli 2015, gerade 26 Jahre alt, mit dem Münchener The Flushing Meadows sein erstes Haus.

In dem Designhotel konzipierte er ein Smoothie-Laden-Konzept und baute darauf ein Franchise-Unternehmen auf. „Man muss breit aufgestellt sein“, sagt Gethmann heute, „keiner kann es sich in der Branche mehr leisten, nur noch konventionelle Wege zu gehen.“

Hotelchef im Alter von nur 29 Jahren

Drei Jahre später erreichte ihn ein Anruf aus der Heimat. Am Apparat war Frank Gotthardt, ebenfalls Koblenzer, bekannter aber als Gründer der Compugroup Medical, die er seit der Gründung vor mehr als 35 Jahren zum Multimillionen-Konzern der Gesundheits-IT gemacht hat. Gotthardt hatte das in die Jahre gekommene alte Fährhaus am Stausee gekauft, später abreißen lassen und das neue, schicke Hotel Fährhaus hingesetzt.

Gethmann imponierte das Vertrauen, das Gotthardt in ihn hatte. Dafür gab er auch den Wunsch auf, noch mal für einige Zeit in andere Länder zu gehen. Zurück in Koblenz, war er bei der Eröffnung am Valentinstag 2019 dann mit nur 29 Jahren Chef des Hauses.

Die Next-Generation-Jury lobte unter anderem, dass Gethmann an einem „durchaus herausfordernden Standort sowie in einer herausfordernden Zeit“ in Kürze ein Spitzenhotel etabliert habe. Und er bewies Mut. Mitten in der Coronapandemie eröffneten Gethmann und sein Team vor eineinhalb Jahren das Gourmet-Restaurant Gotthardt’s. Der Chef packte in der Anfangsphase an den Tischen selbst mit an, in der Küche erarbeitete sich Frank Seyfried schon nach drei Monaten den ersten Michelin-Stern.

Eine App entlastet die Umwelt

Für den wirtschaftlichen Erfolg des Hauses wichtiger sind aber wohl Innovationen wie die App WingsCoin. Gethmann hat sie gemeinsam mit der Umweltschutzorganisation Project Wings entwickelt. Die Idee ist simpel: Über die App können Gäste die Zimmerreinigung des nächsten Tages abbestellen. Das entlastet das Personal, spart Wasser, Strom und Chemikalien und senkt den CO2-Ausstoß.

In der Endrunde - Eike Gethmann (M.) setzte sich gegen ggen Margaux Paulin Steiger (Steiger Hotels) und Jakob Benjamin Stöhrer (Hommage Hotel Nassauer Hof) durch. (Foto: Juri Reetz)

Mit jeder eingesparten Reinigung geht ein Beitrag an Project Wings, das damit laut Gethmann in Indonesien das größte Recyclingdorf der Welt baut. Die Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH zeichnete die App im vergangenen Oktober als „Innovation des Jahres“ aus. Für die Kooperation gab es zudem den Deutschen Fundraising Preis 2022 und den Gastro Innovation Award 2023. Beim letzten Ranking der 101 besten Hotels Deutschlands gehörte das Fährhaus zu den „Trouvaillen“.

Gethmann ist überzeugt davon, dass solche Ansätze der Nachhaltigkeit und Digitalisierung Betriebe resilienter machen. „Sie können sich so auf einem sich sehr schnell verändernden Markt besser behaupten.“ Im Mittelpunkt müsse aber bei allem digitalen und nachhaltigen Tun immer der Mensch stehen, Gast wie Mitarbeiter.

Gedacht ist die Next-Generation-Auszeichnung für eine Generation von Managerinnen und Managern, der die Jury zutraut, die geplagte Hospitality-Branche in eine bessere Zukunft zu führen. Verliehen wird sie von Greensign, nach eigenen Angaben deutscher Marktführer in der Nachhaltigkeitszertifizierung von Hotels, sowie der Passion for Excellence AG des Hotelexperten und Handelsblatt-Kolumnisten Carsten K. Rath. Die Verleihung in Partnerschaft mit dem Handelsblatt fand erneut im Rahmen der „101 Future Hospitality Days“ statt, bei denen an zwei Tagen im Kö59 über Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Gesundheit in der Hotellerie gesprochen wurde.

Autor: Michael Raschke

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