Urbaner Berliner Chic glänzt mit weißem Gold und exzellentem Service

Urbaner Berliner Chic glänzt mit weißem Gold und exzellentem Service

2019 eröffnete die KPM Berlin ihr erstes Hotel. Wie königlich sich Hotelexperte Carsten K. Rath inmitten der Porzellankunst fühlt, testete er vor Ort.

Im Berliner Stadtteil Tiergarten heißt es seit über 250 Jahren „handmade in Berlin“, wenn hinter den dicken Backsteinziegelmauern in der Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM) die zeitlose, weiße Porzellankunst entsteht. Lange klaffte unbebaute Einöde neben der Ofenhalle der KPM, heute ist das Grundstück fast bis zur Spree bebaut. Seit letztem Jahr beherbergt das traditionsreiche Gebäudeensemble der Manufaktur ebenfalls das eigens initiierte Luxus-Hotelkonzept.

Die Idee dahinter: Die königliche Designgeschichte soll sich in neuem, urban-modernem Gewand zeigen und dem kunstaffinen Großstadtliebhaber einen zentral gelegenen Rückzugsort in der pulsierenden Metropole Berlin bieten.

Was für den Gründervater der Manufaktur, König Friedrich II., galt, ist noch immer Antriebsfeder der Manufakturisten und jetzt auch für das Hotel: höchster Qualitätsanspruch. Immerhin entsteht eine weiße Porzellantasse erst nach 29 perfekt aufeinander abgestimmten Arbeitsschritten, die von 25 Manufakturisten ausgeführt werden. Kann das Hotelkonzept diesen außerordentlichen Qualitätserwartungen standhalten?

Tobias Berghäuser kennt und lebt die Hotelkreation seit der ersten Stunde. Erst als Berater, anschließend in Funktion des geschäftsführenden Direktors stellt er sich dieser mutigen Gratwanderung zwischen klassischer Tradition und luxuriöser Moderne.

Mit Erfolg: Seitdem die neuen Hotelräume still und leise in einem Soft Launch eröffnet wurden, sind sie gut gebucht. Die Liebe für handgefertigtes Porzellan ist allgegenwärtig. Der Berliner Künstler Michael Felix Langer präsentiert den Hotelgästen größere Skulpturen in der Eingangshalle, aber auch praktisch orientierte KPM-Produkte wie edle Currywurstteller und Kaffeefilter aus Porzellan unterstreichen die Wurzeln des Hauses.

 

Die Service-Attitüde – strahlend wie poliertes Porzellan

Nach einem langen Meeting-Tag treffe ich spätabends müde im KPM Hotel & Residences ein. Nach Small Talk fühle ich mich absolut nicht und hoffe, dass der Check-in kurz und unkompliziert bleibt. Die Rezeption liegt fast futuristisch und strahlend weiß am Ende der überdimensionierten Eingangshalle. Übersehen kann man sie jedenfalls nicht.

Trotz der fortgeschrittenen Stunde begrüßt mich die Rezeptionistin mit einem herzlichen Enthusiasmus, der mich sofort wieder wacher werden lässt. Sie bemerkt meine Redeunlust und quält mich zum Glück nicht mit den üblichen Standard-Willkommensphrasen, sondern erledigt freundlich lächelnd die Formalitäten.

Während ich warte, fallen mir sofort die überall platzierten Kunstgegenstände auf. Sie wirken edel und irgendwie zerbrechlich. Hier sollte sich jedenfalls kein Gast versehentlich gegen einen Betonpfeiler mit Berliner Charme lehnen, denn diese Plätze sind den großen Porzellanskulpturen vorbehalten. Auch wenn Scherben bekanntlich Glück bringen, das wäre hier ein teures Glück.

Die Rezeptionistin bemerkt mein Interesse für ihre Wanddekoration und fragt mich, ob sie mir einen Platz in der Manufakturwerkstatt für den nächsten Tag reservieren darf. Aus Zeitgründen lehne ich dankend ab, ansonsten hätte ich vielleicht sogar die Kunst der Porzellanherstellung erlernt.

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Das Frühstücksbuffet befindet sich direkt neben der Getränkebar mit Blick in die offene Küche. Die Speisenauswahl ist gut, wenn auch noch etwas puristisch für meinen Geschmack. Ein weißer Porzellanlöwe beobachtet mich scheinbar gierig, während ich mir meine Berliner Schrippe belege und mein Müsli in eine KPM-Porzellanschüssel befördere. Auch der Raum zwischen den Speisen dient als Schauplatz der königlichen Porzellankunst. Das weiße Gold ist unaufdringlich, aber doch immer präsent, selbst zwischen den ausgelegten Schinkenstücken.

Von den 117 Zimmern gleicht keines dem anderen, weder im Grundriss noch von der Gestaltung her. Ein weiteres Merkmal, das das KPM Hotel von anderen Hotelkonzepten abhebt. Die Potsdamer Architekten Annette Axthelm und Henner Rovien arbeiteten mit in sich gestapelten und verschachtelten Betonkuben, die als moderne Fassung die Betten kunstvoll einrahmen und gleichzeitig clever Platz sparen.

Die Stromleitungen der Deckenlampen verstecken sich nicht schüchtern hinter weißen Verkleidungen, sondern präsentieren sich selbstbewusst unbekleidet als eigene Kunstform an der Decke. Das gesamte Zimmer ist sehr hochwertig und stilvoll in schlichtem Weiß und Schwarz gestaltet.

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Die grünen Kissen-Farbtupfer lassen den minimalistischen Stil sehr gemütlich wirken und laden auch zum längeren Verweilen ein. Wer insgesamt einen längeren Aufenthalt in der Metropole und diesem Hotel plant, der wird sich über die integrierten Küchennischen mit Barelement für den Kaffee zwischendurch freuen. Ausgestattet sind diese natürlich mit eigens in der Manufaktur hergestellten Tassen.

Fazit: Modern und extravagant ohne Sprung im Porzellan

Das KPM Hotel & Residences ist ein Berliner Hotel-Unikum, das leicht einer Vier-Sterne-Klassifizierung gerecht werden könnte. Mitten im Großstadttrubel schaffen Tobias Berghäuser und Team für den Business-Reisenden oder den kunstinteressierten Großstädter eine Ruheoase mit ganz viel Herz und Porzellan.

Das traditionsreiche Vermächtnis wird gekonnt neu inszeniert und hält den hohen Ansprüchen der Königlichen Porzellan-Manufaktur definitiv stand. Ich gehe davon aus, dass sich beide Konzepte auch in naher Zukunft gegenseitig positiv beeinflussen. In meiner persönlichen Berliner Top-5-Hotelliste schafft es das KPM Hotel & Residences auf Anhieb auf Platz vier.

Meine Lieblingshotels in Berlin sind übrigens aktuell:

  1. Orania Berlin
  2. Hotel Adlon Kempinski
  3. The Ritz-Carlton

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