Leiser Luxus an der Algarve

Leiser Luxus an der Algarve

Das Resort Vila Vita Parc nennt sich selbst das exklusivste Portugals. Es ist auf jeden Fall eines der vielfältigsten – mit einem Gastro-Angebot der Extraklasse.

Vielleicht kennen Sie das auch? Es gibt bestimmte Tage im Jahr, bei mir meistens gegen Anfang Oktober, die laden dazu ein, von wärmeren Gefilden zu träumen. Leider dauert zwar kein Sommer ewig, aber an manchen Orten bleibt er uns erfreulicherweise doch noch etwas länger erhalten.

Wer sich im Oktober nach Portugal aufmacht – was auch in diesen Zeiten noch möglich ist –, erlebt nicht nur die traumhafte Landschaft der Algarve im schönsten Licht, sondern hat oft auch das große Glück, die Strände ganz für sich allein zu haben.

Das Vila Vita Parc ist ein feines Juwel der Hotelgruppe der Familie Pohl aus Marburg. Schon bei meiner Ankunft, nach einer halben Stunde Fahrt vom Flughafen Faro, bekomme ich die ganze Pracht der spätsommerlichen Algarve auf dem Silbertablett präsentiert. Verteilt im malerischen, satten Grün des Park – übrigens einer der gepflegtesten, die ich je gesehen habe – liegen die strahlend weißen Gebäude. Dahinter rollt Portugal dem Hotel und seinen Gästen noch den blauen Teppich in Form des Atlantiks aus. Eine wirklich herrliche Bilderbuchkulisse.

Das Hotel wurde 1992 eröffnet, es ist also nicht neu, aber perfekt in Schuss. Ich kann sehen, dass es sich hier nicht um einen kürzlich eröffneten Neubau handelt, Verschleiß dagegen sehe ich nirgends. Diese Art von Patina muss man mögen. Auch wenn es hier kein visionär-modernes Design gibt – mir gefällt es gut, gerade weil es authentisch ist und sich harmonisch in die Landschaft einfügt.

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Das Erfolgsrezept des Hotels ist – wie so oft im Leben – eigentlich ein ganz simples. Würde ich die Philosophie des Resorts in einem Statement zusammenfassen, ich würde sagen: „Jeder findet hier sein Glück“. Denn das extrem weitläufige Resort hat wirklich alles. Das fängt an mit den Zimmerkategorien: Es gibt rund 70 Zimmer und Suiten im Hautgebäude, dazu weitere 27 in der „Residence“, dem Adults Only-Bereich des Resorts, in dem ruhesuchende Gäste eine sichere Zuflucht vor tobenden Kindern finden.

Die wiederum haben in über 35 Family-Suiten ihr eigenes Refugium, inklusive Kinderpools und Entertainment. Dazu kommen private Villen mit eigenem Pool und Apartments mit bis zu drei Schlafzimmern. Es gibt sieben Pools, einen hervorragenden Sisley-Spa, Weltklasse-Golfplätze in der Nähe, Tennisplätze inklusive Profi-Trainer, Fahrräder, SUP Boards, Scuba Diving, eine 30 Meter lange Yacht und – nur der Vollständigkeit halber – einen Helikopterlandeplatz.

Ich zähle das alles auf, um zum einen die bemerkenswerte Vielfalt dieses Ortes zu illustrieren. Zum anderen aber auch, damit ich jetzt sagen kann: In Sachen Vielfalt gibt es hier trotzdem eine weitere Disziplin, die das Angebot an Freizeitaktivitäten noch in den Schatten stellt.

Bio-Zutaten und Michelin-Sterne

Denn ein gastronomisches Angebot dieser Art habe ich noch nicht erlebt. Elf Restaurants und sechs Bars bei einer Gesamtkapazität von „nur“ 200 Zimmern sind Luxus pur und lassen keinen Zweifel daran, wer beziehungsweise was der eigentliche Protagonist des Resorts ist. Fast habe ich das Gefühl, die Zimmer wurden um die Gastronomie herumgebaut.

Das kulinarische Erlebnis beginnt mit dem Frühstück. Davon gibt es gleich zwei. Als Gast habe ich Wahl zwischen einem a la carte-Restaurant mit wunderbarer Terrasse oder einem superben Frühstücksbuffet. In den Restaurants, die teilweise direkt im Resort liegen, teilweise am Strand oder ein Stück außerhalb bekommt man vom allerfrischesten Fisch über Tapas bis zu japanischer Spitzenküche alles. Mir begegnen hier drei Michelin-Sterneköche zum privaten Urlaub. man kennt sie aus dem Fernsehen, hier kommen sie zur Ruhe.

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Der Weinkeller ist einer der beeindruckendsten, die ich je kennengelernt habe. Historische Ziegel wurden eigens aus Österreich importiert, um 20 Meter tief im Boden eine exzellente Sammlung in angemessenem Ambiente zu lagern. Hier finden sich die bekannten Chateaus, vor allem sind aber portugiesische Weine vertreten. Die stammen zum Großteil von der Herdade do Grous, dem eigenen Weingut der Hotelgruppe im Alentejo.

Portugals bekanntestes Anbaugebiet ist in meinen Augen eines der unterschätztesten der Welt. Noch. Denn die autochthonen Sorten Portugals wie Arinto, Touriga Nacional oder Antão Vaz sind bei Weinkennern auf dem Vormarsch. Vom Weingut stammen übrigens auch Fleisch, Olivenöl und Gemüse. Denn im Vila Vita Parc herrscht ein Farm-to-Table Konzept. Das heißt, wo immer möglich werden regionale Zutaten verwendet, häufig aus eigenem Anbau – gelebte Nachhaltigkeit, die man schmeckt!

Ein Österreicher, der portugiesisch kocht

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Fixstern im Gastro-Kosmos des Resorts ist unumstritten der Starkoch Hans Neuner. Der kommt zwar eigentlich aus Tirol, aber was aus der Küche seines Ocean Restaurants kommt, ist Portugal pur. Anspruchsvollen Gourmets ist allein seine herausragende Küche schon eine Reise wert. Eine Meinung, die von Michelin geteilt wird: Seit 2011 krönen gleich zwei Sterne das Oceans. Früher war er einmal bei meinem Freund Karlheinz Hauser vom Süllberg, mit dem ich das Adlon in Berlin eröffnete. Die Handschrift Hausers schmeckt man heute noch – hier und dort!

Der Service im Resort ist nicht nur tadellos. Das erscheint mir hier einfach nicht treffend genug. Denn was mich besonders beeindruckt, ist nicht, dass alle Mitarbeiter herzlich, professionell und effektiv arbeiten. Dass ein eingespieltes Team unter exzellenter Führung perfekt zusammenarbeitet, ist offensichtlich – dem langjährigen Direktor Kurt Gillig sei Dank.

Und trotzdem: Ich habe hier das Gefühl, dass jeder einzelne noch einen Schritt weiter geht. Proaktiv trifft es wohl am besten. Als Gast muss ich mir noch nicht einmal Gedanken darüber machen, was ich eventuell als nächsten brauchen oder wollen könnte. Selbst das wird mir von den Mitarbeitenden abgenommen – die Wünsche vorwegnehmen, bevor sich bei mir der Gedanke ganz geformt hat.

Doch leider muss ich an dieser Stelle sagen: Es gibt auch Ausreißer aus dem herzlichen Gastgeberkonzept. Denn unter bestens geschultem und motiviertem Personal stechen die ganz wenigen Ausnahme leider umso deutlicher heraus. Für das Management ist es eine Herausforderung, gerade diese Mitarbeitenden, die sich gerne hinter den Kollegen verstecken, zu identifizieren. Mitarbeitende, die Prozesse wenig engagiert abarbeiten, ohne gastfreundliche Haltung an den Tag zu legen, schaden dem Gesamterlebnis leider immer.

Schwarze Schafe gibt es auch in Portugal

So schlägt beim Buffet-Frühstück zum Beispiel eine Mitarbeiterin fast militärische Töne an, um die Gäste dazu zu bringen, sich wiederholt die Hände zu desinfizieren. Das momentan Hygienekonzepte durchgesetzt werden müssen, ist klar – und wird weder von mir noch sonst einem der friedlich frühstückenden Gäste in Frage gestellt. Der Befehlston, mit dem wir angewiesen werden, in Sekundenabständen an verschiedenen Stationen im Raum die Hände zu besprühen, ist daher völlig fehl am Platz. Der gehört in eine Kaserne, aber nicht in ein Hotel dieser Kategorie. Ich habe es der Mitarbeiterin gesagt.

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Mein Fazit

Für alle, die letzte Sonnenstrahlen vor dem deutschen Winter einfangen möchten, ist das Vila Vita Parc ein fantastisches Hideaway. Das Resort lebt in jedem Aspekt von seiner Vielfalt und seinem außerordentlichen Platzangebot. Die Tage dehnen sich hier zu einem Maximum an Erholung und einem satten Wohlgefühl aus Wärme, Wasser und gastronomischen Highlights. Sollten Sie herkommen, empfehle ich Ihnen die Ausfahrt aufs Meer in der Yacht. Lassen Sie sich vom Beiboot in die kleinen Grotten der Steilküste bringen – definitiv eines der Highlights meines Aufenthaltes.


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