Tushita Heaven, Kathmandu: Zu Besuch bei Nepals Mandala-Meister

Tushita Heaven, Kathmandu: Zu Besuch bei Nepals Mandala-Meister

Viele mögen die bunten Mandalas, die in vielen asiatischen Ländern zum Straßenbild gehören und auch alle möglichen Souvenirs zieren. Was es mit den faszinierenden, oft hochgradig komplexen Kunstwerken auf sich hat, wissen dagegen die wenigsten. Lama Tsonamgel ist Nepals großer Mandala-Meister – und eine nationale Institution. Ich habe ihn in Kathmandu getroffen.   

+++ Disclaimer: Thangkas sind keine Mandalas! +++

Streng genommen ist dieser Text falsch überschrieben. Denn die Kunstform, um die es hier geht, heißt eigentlich nicht Mandala, sondern Thangka. Kennen Sie nicht? Eben. Deshalb habe ich mich oben auf die wesentlichen bekannteren Mandalas berufen, die inzwischen ein universelles Phänomen geworden sind. Ein Mandala jedoch ist eigentlich keine Kunstform, sondern ein Motiv. Und in der Tat enthalten Thangkas häufig Mandalas (also die typischen runden, symmetrischen und oft sehr farbenfrohen Muster). Sie als „nepalesische Mandalas“ zu beschreiben ist daher ein naheliegendes Etikett, damit sich jeder erst einmal grob etwas unter dieser Kunstform vorstellen kann   

Tushita Heaven, Kathmandu
Tushita Heaven, Kathmandu

Mönch, Mathematiker, Meisterlehrer: Lama Tsonamgel

Am Rande der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu, nahe dem Haupteingang der Bodnath Stupa (einem religiösen Bauwerk und Pilgerstädte) , gibt es eine Kunstgalerie namens Tushita Heaven Handicrafts. Es ist nicht irgendeine Galerie, sondern die größte kommerziell betriebene Thangka-Galerie in Nepal. Der Kunsthändler, der sie betreibt, ist der wohl größte lebende Thangka-Meister Nepals: Lama Tsonamgel. Sein Name wird, wie in den meisten asiatischen Ländern, übrigens in umgekehrter Reihenfolge genannt als bei uns üblich – Lama ist hier also der Familienname.  

Bei meiner Nepal-Reise bin ich Herrn Lama in seiner Galerie begegnet und habe mir von ihm die Grundlagen seiner Kunst erklären lassen. Im Gespräch fiel mir schnell auf, dass sein Lebenslauf beinahe noch interessanter ist als seine Arbeit: Herr Lama war einmal ein Mönch  – was in der buddhistischen Kultur gleichbedeutend mit dem höchstmöglichen gesellschaftlichen Status ist. Diese ehrenwerte Beschäftigung jedoch gab er auf, um sich einer ganz anderen zu widmen: den Zahlen. Und so kam es, dass Herr Lama nach dem Buddhismus Mathematik studierte.   

Doch auch das ist nicht seine eigentliche Berufung. Die hat er in der Thangka-Kunst gefunden. Das kann man merkwürdig finden – oder extrem konsequent, wenn man seiner Erklärung folgt: Thangkas sind einerseits zutiefst spirituelle, andererseits aber auch rationale, nämlich präzise geometrische und hochgradig regelhafte Kunstwerke. So gesehen könnte also niemand qualifizierter sein als Herr Lama, um prominentester Vertreter und Botschafter dieser faszinierenden Kunst zu sein.  

 

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Der Meister und sein Reich

Und genau das ist er. Nicht nur ist Herr Lama der berühmteste Thangka-Maler und Thangka-Händler Nepals in Personalunion, sondern auch der Meister der einheimischen Thangka-Szene. Seine Galerie – er selbst nennt sie in überraschend kommerziellem Slang einen Showroom – ist die Heimat der Kunst von etwa 200 Thangka-Künstlern, die ständig für Nachschub an den Wänden und in den Regalen des Ausstellungsraums und Kunsthandels sorgen. Herr Lama hat sie handverlesen und viele von ihnen als Meisterlehrer aufgebaut und unterrichtet. Er führt seinen Kunsthandel seit 25 Jahren und hat seine Künstler im Laufe der Zeit nach einem Muster ausgesucht, das auch ein kunstvolles Thangka beschreibt: Sein Team ist äußerst facettenreich und verfügt über sehr unterschiedliche Talente. Die einen sind die besseren Maler, die anderen verfügen über besonders gute Geschichts- und Religionskenntnisse. Wieder andere haben ein besonderes Händchen für Farben oder das Zusammenspiel komplexer geometrischer Muster. Die Werke von Tushita Heaven sind daher sehr unterschiedlich, und gemeinschaftlich hergestellte Stücke besonders facettenreich. Für jeden Geschmack ist etwas dabei – wenn man sich für die Kunstform an sich begeistern kann.

Was ist eigentlich ein Thangkas?

Tushita Heaven, Kathmandu
Tushita Heaven, Kathmandu

Die Thangka-Kunst wird in Nepal, Tibet, China und anderen Regionen bereits seit Jahrhunderten gepflegt. Wie lange genau, weiß niemand. Die ältesten erhaltenen Werke in Tibet stammen aus dem 11. Jahrhundert, in Nepal – dessen Stil als einflussreich auch für alle anderen Thangka-Schulen gilt – aus dem 14. Jahrhundert. Experten gehen jedoch davon aus, dass die Wurzeln der Kunst weitaus älter sind. Um zu sehen, was ein Thangka ist, muss man sich nur in Herrn Lamas Reich umsehen: Es sind oft symmetrisch angelegte, kaleidoskopisch arrangierte Bilder, traditionell (heute aber nicht mehr zwingend) auf textilem Untergrund. Ursprünglich wurden sie nicht gerahmt und dauerhaft ausgestellt, sondern wurden nur bei bestimmten religiösen Anlässen gezeigt oder dienten Mönchen und Schülern auf ihrem Weg als spirituelle Orientierung. Der Hintergrund eines Thangkas besteht meist aus komplexen, manchmal psychedelischen Mustern, von denen manche die Sinne mit ihrer räumlichen Wirkung zu einem Tänzchen auffordern und sich meist in konzentrischen Kreisen auf ein optisches Zentrum hin entwickeln. Vor diesen Hintergründen eingearbeitet sind buddhistische Figuren wie Götter, Dämonen und oft auch der Buddha selbst, aber auch ikonische Landschaften, Gegenstände oder Symbole.

Der Reiz einer fremdartigen Kunst

Es ist eine aufregende Kunst – vielseitig, farbenprächtig, von betörender Eleganz und berauschender Kreativität. Sind Sie ein Fan der indischen oder tibetischen Mandalas, die sich auf Kleidungsstücken, an Wänden, auf Souvenirs oder wie in Nepal auf Thangkas und ähnlichen Kunstwerken finden und inzwischen sogar als Malbücher erhältlich sind? Dann werden Sie die aufwändigen, teils endlos verschachtelten und hochgradig bedeutungsvollen Thangkas aus Nepal lieben.  

Wer Feuer gefangen hat, kann bei Tushita Heaven Stunden verbringen. Herr Lama weiß die Bedeutung jedes einzelnen Werkes in seiner Galerie verständlich und anschaulich zu schildern und ist in jeder Hinsicht ein spannender Gesprächspartner. Ein Besuch der Galerie lohnt sich also in jedem Fall.  

Für Touristen auf der Suche nach einem besonderen Andenken hält der Händler zahllose kleine, einfache Thangka (ohne Blattgold) ab ca. 15 Euro aufwärts bereit. Wer von dieser Kunstform so fasziniert ist, dass er lieber ein aufwändiges, blattgoldbestücktes Thangka in Gemäldegröße erwerben möchte, kann bei Herrn Lama durchaus mehrere Tausend Euro für ein einzelnes Werk lassen – oder zum Sammler werden. Der Grund für die hohen Preise bei hochwertigeren Stücken sind nicht in erster Linie die Materialien, sondern der Zeitaufwand: In einem komplexen Thangka von etwa 60 mal 90 Zentimetern Größe können bis zu sechs Monate Arbeit stecken, erklärt mir der Meister 

Und weil nicht jeder regelmäßig nach Nepal reist, gibt es die Thangkas von Tushita Heaven auch online im offiziellen Web-Shop zu kaufen: http://thangkatushita.com/public/  

 

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#Wertung

Service-Faktor
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Design-Faktor
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Herzlichkeits-Faktor
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Innovations-Faktor
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Kreativitäts-Faktor
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Nachhaltigkeits-Faktor
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Wohlfühl-Faktor
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Hardware-Faktor
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Gourmet-Faktor
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Die Bewertung erfolgt nach subjektiven und zugleich professionellen Gesichtspunkten aus meiner Perspektive als langjähriger Branchen-Insider anhand des Net Promoter Score auf einer Skala von 1 (unwahrscheinlich, dass ich das Unternehmen einem Freund oder Kollegen empfehlen würde) bis 10 (äußerst wahrscheinlich).


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