„Vitznauerhof“: Idylle mit Innovation

Der „Vitznauerhof“ bietet 53 individuell gestaltete Zimmer und Suiten sowie die Möglichkeit zum Glamping. © Vitznauerhof

Unser Kolumnist zählt zu den renommiertesten Hotelexperten Europas. Er stellt die besten Häuser vor. Diesmal: „Vitznauerhof“ in Vitznau am Vierwaldstättersee in der Schweiz

Die Schweiz lockt Reisende aus aller Welt mit ihren malerischen Bergen, Dörfern und Seen. Eben das erwartet mich in Vitznau, einem idyllischen Ort im Herzen der Zentralschweiz. Einer der besten Ausgangspunkte für Ausflüge auf die Rigi, die „Königin der Berge“. Ich übernachte im „Vitznauerhof“, einem Boutique Hotel umgeben von herrlicher Natur, mit einem exzellenten Preis-Leistungs-Verhältnis.

Erbaut 1901, übernachteten hier seinerzeit bereits berühmte Persönlichkeiten wie Richard Strauss und Hermann Hesse. Im Sommer 2018 übernahm Raphael Herzog – Hotelier des Jahres 2023 – die Leitung. Zusammen mit seinem Team, das Erfahrungen aus der Luxushotellerie mitbringt und das er wie seine Familie betrachtet, schreibt Herzog damit seither eine neue Erfolgsgeschichte. Unter dem Motto „Stillstand kann warten“ begeistert er seine Gäste immer wieder mit neuen Ideen – gerne innovativ und nachhaltig und mit einem Hauch Bohemian-Lifestyle. Dazu zählen Luxuscamping – das sogenannte Glamping – oder saisonale Gastronomiekonzepte mit internationalen Spitzenköchen wie dem Niederländer Dennis Huwaë, Küchenchef und Mitinhaber des Restaurants „Daalder“ in Amsterdam, oder dem Dänen Boris Buono, ehemaliger Sous Chef des „Noma“ in Kopenhagen.

Ein Haus mit vielerlei Charme

Zurecht wirbt der „Vitznauerhof“ unter anderem mit der „schönsten Location im Ort“. Es liegt in erster Reihe direkt am Vierwaldstättersee, eingerahmt von einer pittoresken Berglandschaft. Inmitten dieser Naturkulisse finden sich in der Nachbarschaft weitere exzellente Hotels, die ich tatsächlich alle sehr empfehlen kann, wie das „Château Gütsch“, ein romantisches Schlosshotel über dem See, das „Bürgenstock“, das vielleicht beste Resort in der Schweiz, das „Parkhotel Vitznau“ mit dem großartigsten Weinkeller weltweit und herzlichem Service, oder das neue „Mandarin Oriental“, das sich anschickt, in die Spitze der Schweizer Hotellerie vorzustoßen.

Aber zurück zu dem 4-Sterne-Superior-Hotel „Vitznauerhof“. Das märchenhafte Jugendstilhaus mit rot verzierter Fassade und Dachgiebeln heißt mich bereits von außen willkommen. Im Empfangsbereich verzieren Stuck und Fresken die hohe Raumdecke und die Wände. Spannend ist, wie der verspielte Jugendstil mit modernen Loungemöbeln und einem cleanen Empfangstresen gebrochen wird.

Empfangsbereich des Hotels © Vitznauerhof

Die Fenster erlauben mir einen ersten Blick hinaus zur Seeseite. Ich erinnere mich an meine Zeit als CEO einer deutschen Luxushotelgesellschaft, als ich selbst auch für einige Häuser in der Schweiz verantwortlich war. Der wunderbare „Vitznauerhof“ gehörte dazu und jetzt habe ich ein angenehmes Déjà-vu: Hinter türkisblauem Wasser türmen sich die schroffen Berge auf. Einfach atemberaubend! Kaum habe ich diesen Gedanken gefasst, begrüßt mich die Mitarbeiterin Florence sehr herzlich.

In meiner Suite fällt mir zunächst der angenehme Raumduft auf. Das Bad zeigt sich mit dunkel gefliesten Wänden und Boden geschmackvoll eingerichtet und ist mit „Rituals“-Produkten ausgestattet. Hier wünsche ich mir eine etwas luxuriösere Marke wie zum Beispiel „La Biosthétique“.

Suite mit Seeblick © Vitznauerhof

Heißgetränke stehen mir auf dem Gang zur Verfügung. Bevor ich mich kurz an meinen Schreibtisch setze, möchte ich mir einen Kaffee holen. Um mein Vorhaben in die Tat umsetzen zu können, konsultiere ich zunächst die Anweisungen eines Mitarbeiters. Nach diesem Kennenlernen harmonieren „Nespresso“-Maschine und ich jedoch wunderbar. Neben Kaffeespezialitäten kann ich mich durch eine vielfältige Auswahl an „Ronnefeldt“-Tees probieren.

Sehr bald stelle ich fest: Ganz gleich welchen Mitarbeiter ich in diesem Haus anspreche – ich spüre bei jedem Einzelnen eine Begeisterung für seine Aufgaben. Hier fühlen sich offenbar nicht nur die Gäste wohl.

Spitzengastronomie mit Produkten aus der Region

Täglich bis 11 Uhr wird im Restaurant „Inspiration“, einem der drei Hotelrestaurants, beim Frühstücksbuffet ordentlich aufgetischt. Das Omelette wird nach meinen Wünschen frisch zubereitet, die Joghurts sind selbstgemacht, in einem Juicer presse ich mir meinen Obstsaft nach Gusto und ich gönne mir den täglich wechselnden Vitamin-Shot, beispielsweise aus Ingwer und Karotte.

Überhaupt gefällt mir, dass die Küche auf regionale Produkte setzt. Probieren Sie zum Dinner unbedingt mal die Spätzle aus Vitznauer Eiern mit einem Angus Brisket von der Metzgerei „Holzen Fleisch“ – hergestellt in und für die Schweiz.

Panorama-Terrasse © Vitznauerhof

Sowohl im Restaurant „Inspiration“ als auch in der Bar mit Loungebereich und Kamin erlebe ich durchweg einen erstklassigen Service.

Übrigens: Im Frühling 2024 eröffnet das Restaurant „Sens“ unter neuer Leitung und mit einem neuen Konzept. Zuletzt machte es sich unter Starchef Jeroen Achtien einen Namen. Er wurde hier mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet. Im Sommer 2023 ging der gebürtige Niederländer mit seiner Frau Sanne Achtien, bis dato Front-Office-Managerin im „Vitznauerhof“, zurück in die Heimat. So schade der Abschied von Achtien auch ist – das „Sens“ bleibt in bewährten Händen: Ruud Oostdijk ist seit fünf Jahren Teil von Herzogs „Vitznauerhof-Familie“ und übernimmt als Executive Chef die Gesamtleitung der Küchen. Zuvor kochte er unter anderem im „Chateau Neercanne“, im „Vista Willemstad“ und in der „Hostellerie De Schuddebeurs“ in den Niederlanden.

Das Gourmetrestaurant „Sens“ liegt direkt am Wasser. © Vitznauerhof

Wellness und Sport

Die Landschaft in und um Vitznau verpflichtet regelrecht dazu, erkundet zu werden, selbst wenn man sie wie ich bereits gut kennt. Doch wenn die Gelegenheit da ist, muss ein Wellnesstag für mich ebenfalls sein.

Im 900 Quadratmeter großen Spa-Bereich vom „Vitznauerhof“ bin ich von der Breite des Wellnessangebots beeindruckt: Kosmetische Anwendungen, therapeutische und ganzheitliche Massagen (mein Tipp: gönnen Sie sich die 50-minütige Anti-Stress-Massage, danach bringt Sie nichts mehr aus der Ruhe), mittels Body Scan können Sie Ihre Vitalitäts- und Energiekiller entlarven, in der Atem-Lounge Ihr Immunsystem stärken, und über eine Schwingungsplattform Ihre Körperhaltung verbessern.

Außer einer Finnischen Sauna und einem Dampfbad im Innenbereich befinden sich im Garten noch eine Gondelsauna und ein beheizter Außen-Whirlpool, beides direkt am See.

Zum sportlichen Schwitzen sind Sie im Kraft- und Cardio-Raum mit technologisch modernen Geräten bestens aufgehoben. Wenn Sie wie ich Aktivitäten in der Natur bevorzugen, nutzen Sie neben Wandern und Co. auch den See: In der warmen Jahreszeit hält der „Vitznauerhof“ das Equipment fürs Stand-Up-Paddling bereit oder Sie schippern einfach mal mit dem hoteleigenen Elektroboot los.

Der Anleger für Ausflüge zu Wasser © Vitznauerhof

Raths Reise-Rating

1 Ganz großes Kino

2 Wenn’s nur immer so wäre

3 Meckern auf hohem Niveau

4 So lala, nicht oh, là, là

5 Besser als im Hostel

6 Ausdrückliche Reisewarnung

Tipps für den Aufenthalt

Wandertipp: Der sechs Kilometer lange „Panoramaweg“ befindet sich in unmittelbarer Hotelnähe. Eingeteilt in drei Etappen entscheiden Sie, wie viel Sie davon wandern. Ich kann die gesamte Strecke nur empfehlen. Der leichte Weg führt vorbei an vielen interessanten Bauten, wie dem verglasten Depot der Rigi-Bahnen und dem rund 550 Jahre alten Haus Grabacher, einem der ältesten Wohnhäuser des Kantons Luzern. Darüber hinaus finden Sie – wie der Name bereits verrät – immer wieder beeindruckende Aussichten über den See und die Berge.

 

Ausflugstipp: Die Rigi ist das Ausflugsziel in der Region – origineller wird es jedoch mit einem Besuch der ganzjährig geöffneten Alpwirtschaft und Käserei „Chäserenholz“, 25 Gehminuten bergab vom Gipfel an der Ostseite. Im Sommer können Sie sogar dabei zusehen, wie die 15 verschiedenen Käsesorten in mühsamer Handarbeit hergestellt werden. Auch Butter und Joghurt werden produziert – alles aus der Milch von Rigi-Kühen. Mein Tipp: Verzichten Sie an diesem Tag auf ein ausgiebiges Frühstück und probieren Sie sich stattdessen durch die hervorragende Käseplatte.

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